Orts-Chronik vom Waldenserort
Palmbach
Wer vom Albtal her
hinauffährt zur Autobahn in Richtung Stuttgart und auf der welligen Anhöhe
zwischen Alb und Pfinz zur linken Hand plötzlich in einer sanften
Bodenwelle die kleine Kirche und die Häuser von Palmbach erblickt,
empfindet unwillkürlich die reizvolle Lage unserer heute 1.400 Einwohner
zählenden Gemeinde. - Aber auch - wer aus der Rheinebene, vom Zentrum
Karlsruhes her, über Grünwettersbach hinauffährt nach Palmbach empfindet
dies und atmet auf, wenn er die anmutigen Felder und Wiesen um Palmbach
erblickt und mit ihnen die letzten, sanften Höhen des Schwarzwaldes
erreicht.
Palmbach - seit 1975
der jüngste und kleinste Stadtteil von Karlsruhe - wurde im Jahre 1701 als
kleine Waldensersiedlung inmitten der seit dem 30-jährigen Kriege
brachliegenden Felder des Südostteils der Gemarkung Grünwettersbach -
einsam am Rande einer friedlosen Welt - gegründet. 28 Waldenserfamilien
erhielten hier nach ihrer Flucht aus den Waldensertälern von Piemont nach
dem Willen des Herzogs Eberhard Ludwig von Württemberg eine neue Heimat.
Über viele Generationen
hinweg waren die Waldenser als Anhänger des gegen den Prunk und die
Reformfeindlichkeit der damaligen römischen Kirche rebellierenden
Wegbereiters und Vorkämpfers der Reformation Petrus Waldus und seiner
Armen von Lyon oft grausam verfolgt worden, bis sie schließlich durch die
Aufhebung des Edikts von Nantes (1685) durch Ludwig XIV. endgültig zum
Verlassen ihrer Heimattäler in den cottischen Alpen gezwungen wurden.
Trotz der
landesväterlichen Fürsorge für die Glaubensflüchtlinge, die eine
französischitalienische Mundart sprachen und durch die Fremdheit ihres
südlichen Aussehens in ihrer Waldensertracht besonders auffielen, waren
die ersten Jahrzehnte ihres Hierseins unendlich hart und entbehrungsreich.
Der Grund und Boden, der ihnen auf der Gemarkung von Grünwettersbach als
Eigentum zugewiesen wurde, umfaßte nur 306 Morgen verwildertes Acker- und
Wiesenland und einige kleine Waldstücke.
So war die Gemarkung
der Waldensersiedlung, der die Glaubensflüchtlinge den Nnnn-n La Balme, d.
h. „die Zuflucht" gaben, von Anfang an die kleinste aller Orte in weitem
Umkreis, und es ist kaum verwunderlich, daß nach einem Jahrzehnt der
ersten Kullivuinuuj;;-und Rodungsarbeiten 12 Familien, die zu den ärmsten
der Gemeinde zählten, l n llilmr wieder verließen, um nach Preußen
weiterzuziehen. So betrug die EinwohiH?r/;ihl
Her Waldenserkolonie im 2. Jahrzehnt nach ihrer Gründung -zur Zeit, als
unten im Hardtwald das heutige Karlsruhe gegründet wurde - nur ganze 96
Seelen. Diese lebton lange Zeit in einfachen Holzhäusern („Baracken"), und
es vergingen Jahrzehnte, bis die Bauern-häuser und Höfe rechts und links
der durch „einen ziemlich abfälligen Graben getrennten zwei
Straßenseiten" des Dorfes zu einem Straßendorf zusammcnwuchson l inen
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Mittelpunkt erhielt das
Dorf erst durch das 1725 erbaute erste, bescheidene Kirchlein. Der sich
durch das Dorf ziehende Graben führte nur nach starken Regenfällen Wasser
(deshalb die Bezeichnung Wetterbach), und der aus La Balme hergeleitete
Name Palmbach hat nichts mit einem lustig durch das Dorf plätschernden
Bach zu tun. Den gab es weit und breit nicht. Im Gegenteil: das größte und
mit den damaligen Mitteln kaum zu lösende Problem der Waldenser auf der
Höhe des Alb-Pfinz-Plateaus war von Anfang an das Problem der Versorgung
mit Trinkwasser. Die drei wenig ergiebigen Dorfbrunnen versorgten die
Einwohner nur kümmerlich mit Wasser, und im Sommer oder nach langer
Trockenheit herrschte für Mensch und Vieh immer wieder Wassernot. Nach
langen Verhandlungen mit Grünwettersbach erhielten die Einwohner von La
Balme zwar das Recht, Wasser am Fallbrunnen bei Grünwettersbach zu holen,
aber der Wassermangel auf der Höhe war damit nicht aus der Welt geschafft.
Trotz dieser und anderer Probleme, die das Weide- und Jagdrecht betrafen
und das der Nutzung der Waldungen von Grünwettersbach durch die
Waldenser, weitete sich nach wenigen Jahren schon um das kleine, ärmliche
Dorf ein Kranz anmutiger Wiesen und Felder mit vielen Obstbäumen, der noch
heute Einheimische und Fremde im Frühling und Sommer durch seine
Farbenpracht entzückt.
Die kleinen Waldstücke,
die anfangs im Osten, Süden und Westen noch die Felder und Wiesen umgaben,
fielen im 18. und 19. Jahrhundert leider dem Streben nach Hinzugewinnung
weiteren Ackerlandes und der Finanzierung des Baues eines ersten
Schulhauses zum Opfer. Sie fehlen uns heute besonders schmerzlich,
wenngleich die schönen Wälder der nahegelegenen Nachbarorte Stupferich,
Grünwettersbach, Langen-steinbach und Waldbronn, uns mit diesem Schicksal,
keinen eigenen Wald zu haben, ein wenig versöhnen.
Zwischen den Einwohnern
von Grünwettersbach, deren Zahl damals durch Kriege und Seuchen stark
dezimiert war, und den Fremden aus Piemont gab es keine Feindseligkeiten,
ja einige Waldenser ließen sich sogar in Grünwettersbach nieder. Daran
erinnern noch die Namen Jourdan, Raviol und Claupein. Aber zu einem engen
Kontakt zwischen den Leuten von La Balme und den Grünwettersbachern kam es
viele Jahrzehnte nicht. Die meisten Waldenser von La Balme hofften noch
viele Jahre auf eine Rückkehr in ihre Bergtäler und lebten abgeschlossen
von ihrer Umwelt. Engen Kontakt hielten sie jedoch mit den anderen
Waldenserkolonien, die zur gleichen Zeit in Württemberg gegründet worden
waren. Die am nächsten liegenden Waldenserkolonien waren
Untermutschel-bach, sodann das schon 1699 am Rhein gegründete
Welsch-Neureut und Schöneberg bei Niefern, wo Henri Arnaud, der die
Flüchtlinge aus Piemont über die Schweiz nach Deutschland geführt hatte,
bis zu seinem Tode lebte.
Die Waldenser wollten
ihrer Sprache und ihrem Volkstum treu bleiben und bestanden über
Generationen hinweg auf dem ihnen in der Aufnahmeurkunde vom 23. September
1699 zugesicherten Recht, nicht nur ihre Geistlichen, sondern auch ihre
Vorleser, Vorsänger und Schullehrer aus ihren Reihen selbst wählen zu
dürfen.
Erst Anfang des 19.
Jahrhunderts-mehr als 100 Jahre nach der Gründung von La Balme, als sich
längst der Name Palmbach für die Waldenserkolonie eingebürgert hatte und
Grünwettersbach und Palmbach badisch wurden (1806), begann durch die
Einführung der deutschen Sprache in Kirche und Schule der Weg der
Integration. Damit bahnte sich auch ein tiefgreifender sozialer
Strukturwandel an.
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Die Waldenserkolonie La
Balme war als reines Bauerndorf gegründet worden, und unter den Kolonisten
waren damals keine Handwerker, kein Maurer, kein Zimmermann, kein Schmied
und kein Schneider. Das hatte den Aufbau und die Weiterentwicklung der
Siedlung sehr erschwert. Indessen waren bald wieder-wie früher in den
Heimattälern-die Spinnräder in Betrieb genommen worden, und Frauen und
Männer hatten wieder begonnen, aus dem selbstangebauten Flachs Leinen zu
weben. Aber dies hatte kaum zu einer Anhebung ihres bescheidenen
Lebensstandards geführt, und auch anfangs des 19. Jahrhunderts war es nach
wie vor ein hartes Brot, allein von dem damals nicht sehr ergiebigen
Ertrag der Scholle auf der kleinen Gemarkung zu leben. Die damals noch
übliche Drei-Felderwirtschaft entsprach keineswegs einer intensiven
Nutzung des Bodens, und Kunstdünger gab es noch nicht. f,
Als in den 40iger
Jahren und verstärkt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aber
ringsum in den Städten - so in Durlach, Karlsruhe und Ettlingen - Fabriken
gebaut wur den, denen sich bald auch viele Bewohner unserer Dörfer
zuwandten, um ihren l<;ircj liehen Verdienst als Kleinbauern zu vermehren
und auch im Winter einen zusät/li< l n-n Lohn heimzubringen, wurde vieles
anders. Nun lockten vor allem die Nährnnschincn fabrik in Durlach, die
rege Bautätigkeit in Karlsruhe und die Großspinnoreion ui H -Webereien im
Albtal auch viele Palmbacher an. Es begann die Zeit der ersten IVnHk Viele
Männer und Frauen nahmen von nun an den weiten und beschwerlichen W<-»|
den Dörfern in die Fabriken im Albtal, nach Durlach und sogar auf die
li.ur.h-llc Karlsruhe auf sich, um ihre Arbeitskraft besser gelohnt zu
bekomm»-n An« \\ h<-i günstiger Witterung, in der Sonnenhitze und im
Regen, waren sie i;i< jlu.l» '.> •' '-lun« l«-Fuß unterwegs zu ihrer
Arbeitsstätte und zurück in ihr Dorf. Viele Frauon und M.i<l< l u-n zog es
auch in die in Grünwettersbach gegründete Zigarrenfabrik,
Noch einschneidender
für den allmählichen Strukturwandel des Dorfes nix m w,u
die fi Öffnung der Sandsteinbrüche in Grünwettersbach und am Rande der
Palmbncher Go markung am alten Wege nach Grünwettersbach. Nun konnten
viele B;uiem, die nur wenige Felder hatten, als Steinhauer und
Steinbrecher zusätzlich Geld verdienen ödet durch das Abfahren der
gebrochenen Steine nach Durlach und Karlsruhe die ( ><>!(•< im heit eines
Zweitverdienstes nutzen.
Trotz dieser
Lichtblicke im damals recht eintönigen dörflichen Leben erfaßte auch in d.
-i Waldenserkolonie Palmbach in den Jahrzehnten der großen
Auswanderungswelle n,i< h Amerika zwischen 1830 und 1870 viele das große
Fernweh, und eine beachtliche Znhl jüngerer aber auch älterer Palmbacher
folgte der großen Auswanderungsbewegung des 19. Jahrhunderts.
Von den damals knapp
300 Einwohnern von Palmbach sind mehr als 70 in diesen Jahrzehnten nach
Nordamerika ausgewandert, um dort eine neue Heimat und eine bessere
Existenz zu finden.
Durch all diese
strukturellen Veränderungen und durch die allmähliche Öffnung gegenüber
den deutschen Nachbarn hatte sich zum Ende des 19. Jahrhunderts das kleine
Dorf Palmbach völlig gewandelt: Den alten Waldensernamen: Granget,
Jourdan, Piston, Baral, Brun Raviol, Balce, Bonin, Guigas, Berger, Soulier
und Tron hatten sich nun schon durch Heirat und Zuzug 15 deutsche
Familiennamen hinzugesellt; außer den 54 Landwirten gab es nun auch 13
Steinhauer, 8 Maurer und Zimmerleute, 8 Fabrikarbeiter, 1 Wagner, 1
Schmied, 1 Küfer, 1 Schuhmacher, 1 Gärtner, 2 Wirte, 3 Krämer und 1
Schneider; das Dorfbild selbst hatte sich durch einige schmucke Häuser
mit rotem Sandsteinsockel aus den Steinbrüchen von Grünwettersbach eine
erfreuliche Verschönerung erfahren; die ersten Vereine, ein Gesangverein
und - der Zeitströmung entsprechend -ein Militärverein, waren gegründet
worden und trugen zu mehr Geselligkeit und Aufgeschlossenheit bei, und
schließlich hatte 1891/92 durch den Bau der Wasserleitung für die Dörfer
des Alb-Pfinz-Plateaus ein ganz neues Zeitalter begonnen, das das Leben in
diesen Dörfern über Nacht lebenswerter, freier und schöner machte.
Nur wenn wir uns an die
fast 2 Jahrhunderte lang durch die Siedler ertragene, immer wieder
bedrückende Wassernot in den heißen Sommermonaten und in so manchem harten
Winter erinnern, können wir ermessen und nachfühlen, was der Bau der
Wasserleitung für die Einwohner von Palmbach bedeutete. Gottlob, daß in
den Jahren des Wassermangels nie ein größerer Brand das Dorf heimsuchte.
Zehn Jahre nach der
Einweihung der Wasserleitung feierte Palmbach sein zweites große?;;
Fest: das 200-jährige Gründungsfest der Waldensersiedlung. Es gab den
Anstoß zum Bau eines neuen Rathauses (1902) mit einer neuen Schule und
dank des unermüdlichen f in satzes des damaligen Dorfpfarrers Meerwein
auch zum Bau einer neuen, schmuckon Kirche (1906). Ein Jahr zuvor war auch
ein Sportverein gegründet worden, und d.i-. l )<u
l gewann durch Gastfreundlichkeit und seine Kontakte mit den Nachbardörfem
edieu lieh an Ansehen.
> ?
Jäh unterbrochen wurde
die friedliche Aufbauarbeit der Gemeinde durch clon omien Weltkrieg, aus
dem 19 Palmbacher nicht zurückkehrten. Zwischen dem 1. und ? We krieg gab
es zwei bedeutsame Ereignisse für Palmbach. Als erstes win bach, der sich
seit Jahr und Tag als schmutziger Wassergraben durch verdolt. Damit wurde
ein jahrhundertelanges Ärgernis des Dorfes ln-Grundlage zur späteren,
großzügigen Neugestaltung und Verschöneniii« geschaffen. Zum zweiten
gewann Palmbach durch den Bau der Ani-.h. Stuttgart-München, deren erster
Teilabschnitt bis Pforzheim am 10 l'.'
eingeweiht wurde,
Anschluß an das Autobahnnetz Süddeutschlands - freilich unter Opferung
eines weiteren Stückes seiner kleinen Gemarkung und seines letzten
Waldstreifens am Ostrand der Gemarkung.
Der 2. Weltkrieg traf
auch die kleine Gemeinde Palmbach hart. Nicht weit von der Großstadt
entfernt, erlebten die Einwohner all die Bombenangriffe auf Karlsruhe mit,
und am 4. Dezember 1944 brachten mehrere Bombenreihenwürfe auch hier
Zerstörung und Tod. - Bei Rückzugsgefechten der deutschen Truppen fielen
im Raum um Palmbach am 7. April 1945 noch 9 tapfere Soldaten und - 39
Väter und Söhne des Dorfes kehrten nicht mehr aus dem sinnlosen
Völkerringen des 2. Weltkrieges heim.
Die furchtbaren
Kriegsfolgen stellten auch die kleinsten Gemeinden im Land vor
unvorstellbar schwierige Aufgaben. Für Palmbach, das 1945 ganze 430
Einwohner zählte, war das härteste Problem der Jahre 1946 bis 1956 die
Aufnahme, Unterbringung und Eingliederung von 110 Flüchtlingen und
Vertriebenen aus Rumänien, Jugoslawien und der CSSR (Böhmen und Mähren).
Aus der im
Zusammenwirken mit allen verantwortlichen Stellen tatkräftig angepackten
Aufgabe erwuchsen neue. Baugebiete mußten erschlossen werden, die kleine
Schule mußte vergrößert werden, ein Kindergarten mußte gebaut und ein
Sportplatz geschaffen werden. Der zunehmende Verkehr zwang zur Verlegung
der schmalen Landstraße zwischen Grünwettersbach und Palmbach vom
Nordosthang des Dorfes in das Wiesental, und in den 60iger Jahren konnte
Palrnbach sich auch nicht länger dem Drängen vieler Städter, die sich in
ländlichen Grenzbezirken der Großstadt ansiedeln wollten, verschließen.
Viele lockte vor allem die günstige Höhenlage
Palmbachs (280 m u.d.M.) und die verkehrsgünstige Lage an der Autobahn in
die kleine Gemeinde. So setzte sich der soziologische Strukturwandel der
Bevölkerung vom frühen Bauerntum zur modernen, aber
weltwirtschaftsabhängigen Industriegesellschaft, der in der 2. Hälfte des
19. Jahrhunderts begonnen hatte, nach dem 2. Weltkrieg auch für die
ehemalige Waldenser-siedlung unaufhaltsam fort.
1972 hatte Palmbach,
dessen Einwohnerzahl inzwischen auf 1.150 angewachsen war, nur noch 6
landwirtschaftliche Betriebe und einige milchabliefernde Kleinbetriebe,
und bereits 432 auswärts Tätige.
Die 1937 mit dem Bau
der Autobahn Karlsruhe-Stuttgart begonnene Flur- und Feldbereinigung war
in den 60iger Jahren vorausschauend fortgeführt und vollendet worden, und
zusammen mit den 11 Gemeinden des Alb-Pfinz-Wasserverbandes, deren
Einwohnerzahl sich bis dahin bereits verdoppelt hatte, wurde in Singen im
Pfinztal ein neues Wasserwerk gebaut und bei Busenbach ein neuer
Hochbehälter mit einem Fassungsvermögen von 1.750 m3.
Zu regem, kulturellem
Leben trugen in diesen fahren die Vereine Palmbachs bei. Der Gesangverein
Harmonie, der durch Konzertabende und Kirchenkonzerte weit übn dit
Nachbardörfer hinaus bekannt wurde, feierte 1961 mit einem echten
dörflichen Volksfest sein 75-jähriges Bestehen, der TSV baute in
vorbildlicher Gemeinschaftsarboil nn»' Turnhalle, das Volksbildungswerk
sprach mit vielen Vorträgen, Altennachmittagen und Kursen breite Kreise
der Bevölkerung an, und eine Ortsgruppe des Roten Kreuzes wurde gegründet.
So eilten die Jahre dahin; immer mehr Fremde kamen ins Dorf, die
Einwohnerzahl wuchs, und der Wandel vom frühen Bauerndorf zum modernen,
ländlichen Wohnort mit einer inzwischen modern ausgebauten Grundschule und
einem neuen Kindergarten wurde immer deutlicher. Nicht zuletzt trug dazu
auch der Zusammenschluß der Gemeinden Palmbach und Günwettersbach bei,
der zum 1.1.1972 vollzogen wurde. Die neue Großgemeinde „Wettersbach" war
ein Schritt auf dem Wege zur Verwirklichung der vom Land
Baden-Württemberg angestrebten Gemeindereform, der mit der Hoffnung
verbunden war, auf diese Weise die Selbständigkeit der beiden
Landgemeinden zu erhalten.
Am 1.1. 1975 aber
folgte doch schließlich die freiwillige Eingliederung der Gemeinde
Wettersbach in die Stadt Karlsruhe.
Unter den 1.400
Einwohnern des heutigen Stadtteils Palmbach verlieren sich die letzten 200
Einwohner fast, die noch auf Vorfahren aus der Waldenserzeit zurückschauen
können. Aber die Namen Raviol, Piston, Guigas, Granget, Baral, Tron,
Jourdan, Roll und Berger erinnern noch an die Gründer von La Balme. Und
der Name Waldenserschule, der der Grundschule Palmbach 1972 verliehen
wurde, die Straßennamen Henri-Arnaud-Straße und Waldenserstraße und der
Wahlspruch der Waldenser, das Lux lucet in tenebris = das Licht leuchtet
in der Finsternis, den wir über dem Altar der schmucken Kirche von
Palmbach lesen, weisen auf die einzigartige Geschichte dieser Gemeinde,
von der es noch vieles zu erzählen gäbe, hin und mahnen uns, die
Vergangenheit als Wurzel unseres heutigen Seins nicht zu vergessen.
Heinz-Theo Krahl
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