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Hier veröffentlichen wir Anekdoten aus Palmbach
"Palmbacher Geschichten"


Diese Geschichten sind entnommen aus der Denkschrift
"Vom Schumacher zum Fabrikant"
zum 60. Geburtstag des Palmbacher Ehrenbürgers 
Walter Reinhard Tron

Sie ereigneten sich in Palmbach in den Jahren ca. 1920 - 1925

Die Jugendstreiche des Walter Reinhard Tron

Wenn man so den Lebensweg von Walter Tron betrachtet, könnte man leicht der Meinung sein, Walter wäre in seiner Jugendzeit immer nur ein kalter und nüchterner Rechner gewesen. Dem ist aber nicht so. Als guter Gesellschafter und Freund war er immer dabei, wenn es galt einen Schelmenstreich durchzuführen. Humor war immer seine zweite Kraft. Man konnte, wie man so im Volksmund sagt, mit ihm ,,Pferde stehlen" gehen.

Walter Tron war lange Jahre führendes Mitglied der ,,Clique". Das war ein Zusammenschluss jugendlicher Menschen in Palmbach verschiedenen Alters, die Frohsinn und Freude und Achtung vor dem Alter auf ihr Banner geschrieben hatten und ohne böse Absicht manchen Streich spielten. Eine Gesellschaft, die es weder vorher in Palmbach gab, noch heute wieder gibt. Dass diese jungen Menschen damals auch die tragenden Säulen des Turn- sowie des Gesangvereins in Palmbach waren, darf nicht unerwähnt bleiben.

Noch heute werden bei Familienfeiern und am Biertisch manche dieser Streiche zum besten gegeben, und immer wieder erfüllt es die damals Beteiligten mit Genugtuung und Freude. Von den vielen, vielen sollen nur fünf ihre Niederschrift finden, die aber nie zur Nachahmung empfohlen werden.

Die Kräftigen

Ein Teil der ,,Clique", darunter auch Walter, gingen an einem Sonntag mal wieder nach Langensteinbach, einem Nachbarort, um einen guten Freund zu besuchen und auch nach den schönen Mädchen Umschau zu halten. Man ging also in das Gasthaus ,,Zum Ochsen".

Bei dieser Gelegenheit wurde nicht nur ein kleiner Imbiss zu sich genommen, sondern auch dem Alkohol eifrig zugesprochen. Nachdem man um eine Kraftmessung (Schlägerei) - die ja um jene Zeit üblich war, um den jungen Mädchen zu imponieren - herumgekommen war, machte man sich auf den Heimweg. Die Kraft, welche das Vesper und der Alkohol erzeugten, war unbändig und musste irgendwo ihre Auslösung finden. Man kam an die Straßenkreuzung Palmbach - Mutschelbach! Dort stand ein gusseiserner Wegweiser und streckte beide Arme aus. So eine Gemeinheit! Und vielleicht steht der Kerl auch noch verkehrt? Eine Stimme rief: ,,Da muss Abhilfe geschaffen werden!" Mit vereinten Kräften wurde dieses Hindernis seines Postens enthoben und in den Straßengraben gelegt.

Schweißtriefend, befriedigt und selbstsicher wurde der Heimweg angetreten. "Doch mit des Geschickes Mächten, ist kein ewiger Bund zu flechten" - - - Die Polizei war natürlich über diese Heldentat anderer Ansicht. Schon am nächsten Tag kamen die Hüter des Gesetzes, um nach den Übeltätern zu suchen. Am selben Abend trafen sich auch die ernüchterten Helden in Walters "Schusterbude", um Kriegsrat zu halten und die Sache auch vom nüchternen Standpunkt aus zu betrachten. Von der geistigen Überlegenheit und dem Ordnungssinn war nichts mehr zu spüren. Und siehe da, keiner war der Urheber.

Man hatte bei der Polizei Lunte gerochen und nahm sich wieder einen Tag später der Sache an. Das schwächste Glied in der Kette, der ,,einsame Heinrich" wurde verhört, doch er schwieg. Daraufhin sperrte man ihn so lange im Ortsarrest ein, bis er alles ausspuckte. Der Strafzettel wegen "groben Unfugs" war ziemlich hoch, so dass Walter zu den anderen sagte: "Menschenskinder, für dieses schöne Geld, da hätten wir manchen lüpfen können."

Das Ständchen

Singstunden sind ja nicht nur zum Singenlernen da, sondern auch, um nach der Singstunde noch gemütlich zusammen zu sein, ein Gläschen Bier oder Wein zu trinken und auch das Gelernte zum besten zu geben. Hält man sich dabei auch noch an die Polizeistunde und geht ruhig nach Hause, dann ist alles in bester Ordnung. Doch meistens kommen die besten Gedanken immer in den letzten Minuten vor dem nach Hause gehen. Warum das so ist konnte bis jetzt noch niemand ergründen.

So war es auch an jenem Samstagabend nach der Singstunde. Der Ortsdiener Bertsch hatte mal wieder sein ,,Feierabend" gebrüllt. Die meisten gingen auch sofort nach Hause. Nur ein Teil der ,,Clique" mit dem hochverehrten Dirigenten Reiser waren noch da und wollten Walters Leibstückchen ,,Nun leb wohl, du kleine Gasse" singen. Auf Vorschlag sollte das Lied als Ständchen vor Walters Elternhaus gesungen werden. Damit aber beim Anmarsch keine Ruhestörung gemacht wurde, zog man vorsichtshalber schon auf der Lamm-Treppe seine Schuhe aus. Der Marsch zu Walter's Elternhaus war zwar nicht weit, doch wegen des vorher niedergegangenen Regens nicht sehr angenehm. Das Liedchen wurde gesungen - zuerst ganz Piano - doch beim dritten Vers hatte auch der sonst so gefürchtete Dirigent keine Gewalt mehr über seine Sänger. Mit voller Lautstärke und Inbrunst wurde gesungen! - Doch das Auge des Gesetzes wachte und stellte sich auch ein.

Obwohl sich niemand in seiner Nachtruhe gestört fühlte, bekam jeder zum Andenken einen Strafzettel wegen Ruhestörung und von den kalten und nassen Füßen einen Schnupfen.

Die Glatzköpfigen

Es gab einmal eine Zeit, da kam jeden Freitagabend ein Friseur von Grünwettersbach in das Nebenzimmer des Gasthauses ,,Zum Ochsen" nach Palmbach, um der männlichen Bevölkerung die Haare zu schneiden. Die ,,Clique" hatte sich auch eingefunden, um sich für das kommende deutsche Turnfest verschönern zu lassen. Während des Zechens hatte Walter mal wieder eine Idee. Er sagte: "Wenn einer mitmacht, lasse ich mir einen vollständigen Glatzkopf schneiden! - -- Ein kurzes Zögern - Auf einmal sagte der ,,Schmiedle": "Ich mache mit!" Und der Dritte und Vierte und alle anderen folgten. Walter setzte sich auf den Stuhl und nach wenigen Minuten war von Walter's Blondschopf nur noch eine glänzende Rübe zu sehen.

Da bekam es der "Schmiedle" mit der Angst zu tun und wollte verschwinden. Doch er hatte die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Der "Dampfer", der ,,Stenz", der ,,Siegfried" (alles Übernamen) fassten ihn bei Kopf und Arm, setzten ihn auf den Stuhl und hielten ihn fest. Walter fällte das Urteil! Zur Strafe für die Feigheit wird ihm zuerst ein Kreuz geschnitten.

Der Friseur, auch ein Mensch mit Humor, nahm seine Maschine und machte einen Schnitt vom Scheitel bis zum Genick und von einem Ohr bis zum anderen. In diesem Zustand musste er warten, bis alle ihre Haare geschnitten hatten. Nun wurde abgestimmt, muss er so nach Hause gehen oder bekommt er seine Haare fertig geschnitten? Nur durch Bezahlung eines Humpens konnte er sich von der misslichen Lage "loskaufen". Es wurden zwar noch einige Humpen getrunken und die anatomische Beurteilung der Köpfe wollte kein Ende nehmen.

Das Gespenst

Nach einem gelungenen Streich traf man sich wieder mal im Gasthaus ,,Zum Lamm". Um der drohenden Polizeistunde zu entgehen, setzte man sich vorsichtshalber gleich in's Nebenzimmer.

Schon brach die Morgendämmerung herein und man hatte ziemlich stark dem Alkohol zugesprochen. Vor dem Nachhausegehen wollte jeder dem andern nach einen kleinen Streich spielen, weil jeder dachte, er sei der einzige, der noch etwas nüchtern sei. Wieder einmal hatte Walter eine gute Idee. Er machte seine Hände rußig und streichelte die andern über das Gesicht, was natürlich eine große Heiterkeit hervorrief. Die andern aber taten natürlich auch dasselbe mit Walter, ohne dass er es in seinem "Tran" noch merkte. Jeder lachte also über den anderen, in dem Bewusstsein, er sei der Helle.

Ohne Schuhe und Kittel, nur mit Hemd und Hose bekleidet, machte sich Walter bei Tagesanbruch auf den Heimweg und legte sich so ins Bett.
Doch die Sonne bringt es an den Tag. Gegen Mittag kam eine Frau (die Schwobenluise) ahnungslos in das Zimmer des selig Schlafenden, um ihre reparierten Schuhe zu holen. Als sie jedoch den Schläfer mit weißem Hemd und schwarzem Gesicht im Bett liegen sah, stieß sie einen furchtbaren Schrei aus. Einer Ohnmacht nahe brüllte sie: "Jesus, Maria und Josef! Christine, komm ruff! In dem Walter sein Bett liegt entweder ein Gespenst oder ein Neger!" --- Von diesem Schreien erwachte auch Walter und sagte schlaftrunken: ,,Luis, schrei doch nicht so! Kennst Du mich denn nicht? Ich bin's doch, der Walter - Dort nimm Dei Schuh mit und sag bloß niemand etwas!" Wenn alle Frauen schweigen könnten, dann wäre die wohl schönste Episode von Walter vielleicht nie an's Tageslicht gekommen.

Die Firma Stauch & Stehle

Wieder mal nach einer Singstunde hatte man sich vor dem nach Hause gehen auf der Lammbrücke noch etwas zu erzählen. Dach die Unterhaltung wurde des öfteren von einem früh krähenden Hahn gestört. "So ein Sauvieh", meinte der Walter, "der Kerl könnte doch seinen Schnabel halten". Ein Mitglied der "Clique" beschloss da Abhilfe zu schaffen. Nach einigen Minuten brachte er den Hahn, jedoch mit verkehrter Kopfstellung. Was nun? Ein älterer Sänger stellte Herd und Küche zur Verfügung, um den Ruhestörer in einen genießbaren Zustand zu bringen.

Schon auf dem Weg zur Zubereitungsstätte wurde festgestellt, dass dieser eine Hahn für die Zahl der Beteiligten doch ein bisschen zu wenig sei. Es wurde beschlossen, ihm noch einen Kameraden zu holen, was auch sofort in die Tat umgesetzt wurde. Walter musste Schmiere stehen. Um aber gegen etwaige Kalamitäten geschützt zu sein, mussten die anderen Sänger in absehbarer Nähe des Tatortes ganz piano ein Liedchen singen. Alles gelang. Der Eigentümer von Herd und Küche war auch des Schlachtens kundig, deshalb musste er auch die Hähne ihres Federschmuckes berauben und die operativen Eingriffe vornehmen. An Stelle von Bier und Wein wurde da Most getrunken und noch einige Liedchen gesungen. Schon nach einer Stunde kam die erste Fleischbrühe. Ein Gedicht von einer Fleischbrühe.

Der damals älteste aktive Sänger, der 75jöhrige Benjamin Specht, der ahnungslos zu diesem Schmaus eingeladen wurde, meinte so nach der zweiten Tasse: "Kinder, so eine Fleischbrühe, die weckt einen Toten auf! Wenn ich da noch zwei Tassen trinke, dann springe ich mit gleichen Füßen über den Tisch!" - - - Die beiden Hähne wurden nur zum Teil verspeist und so machte man sich - voll in jeder Beziehung - beim Morgengrauen auf den Heimweg. Der Schwiegersohn des ältesten Sängers stellte jedoch des morgens beim Füttern fest, dass sein Zuchthahn fehlte. Dem alten Specht kamen nun Bedenken und er erzählte das Erlebnis der vergangenen Nacht. Das Schicksal nahm seinen Lauf. --- Die reuigen Sünder traten den Weg nach Canossa an und beichteten ihre verruchte Tat. Zum Sprecher wurde Walter Tron bestimmt, denn er war der Mutigste und konnte am besten reden.

Der Adolf Spoth, der Geschädigte, war auch ein alter Sänger und hatte Sinn für Humor. Sein Urteil lautete: "Ich sollte Euch ja alle anzeigen! Doch davon würde mein Hahn auch nicht wieder lebendig. Der Zuchthahn kostete mich 20.- Mark, und das müsst Ihr auch dafür bezahlen. Und zwar sofort. Damit ihr aber seht, was ich für ein guter Mensch bin, soll es an einem Beweis nicht fehlen.
Das Geld wird heute abend im Lamm versoffen. - Ein Stein fiel allen vom Herzen.

Am Abend traf man sich - zwar immer noch mit einem schlechten Gewissen, mit dem Zuchthahnvater im Gasthaus ,,Zum Lamm". Er ließ einen Liter Wein nach dem anderen auffahren. Walter hielt noch einmal eine kleine Rede und beteuerte abermals, die bösen Hähne seien ja selbst schuld gewesen und eine schlechte Absicht habe überhaupt nicht vorgelegen.

Das ging dem Geschädigten so zu Herzen, dass er noch jedem eine Portion Schwartenmagen bezahlte. Aber oh Schreck! Als der Adolf bezahlte, machte er ein tieftrauriges Gesicht und sagte: "Noi, mei Gott, hätt' ich doch lieber in's Bett gesch .... So geht es einem, wenn man zu gut ist. Jetzt sind nicht nur 20 Mark für den Zuchthahn fort, sondern noch 30 Mark dazu!" --- Die an dieser Aktion Beteiligten nannte man lange Jahre die ,,Firma Stauch & Stehle".

Die "Clique"

Jahre kommen und vergehen, Zeitepochen kommen und vergehen, aber sie können sich in der Geschichte wiederholen. Eines aber ist eine unumstößliche Wahrheit: "Die Jugendzeit ist einmalig" - und wird sich auf dieser Welt kein zweites Mal als Geschenk anbieten.

Darum soll dieses Bild, das wohl auch schon in vorgerückter Stunde unserer Jugend gemacht wurde ein letztes Andenken sein an jenes große Geschenk das der Schöpfer jedem Menschen nur einmal zu geben hat. Auf diesem Bilde fehlen leider drei Mitglieder und zwar: August Bürkle (Dollarschmiedle), Wilhelm Löffler (Siegfried) und Heinrich Jourdan (einsame Heinrich).

Bild folgt

Stehend von links: Heinrich Tron, Eugen Jourdan (Scheubible), Walter Tron (Schuhmächerle), Hermann Roh (Rollenfuchs), August Jourdan (weiser August), Gustav Piston (Stenz), Karl Löffler (Dampfpaule), Walter Jourdan (Vitze), Fritz Fröhlich (Seltenfröhlich); sitzend von links: Karl Raviol (Haferkarle), Oswald Baral (Belle), Karl Helmstätter, Helmuth Kräutler (Kräutlerböckle), Jakob Wenz (Schneiderböckle), Hermann Ludwig (Metzgerle), Wilhelm Hailer (Hailerböckle); liegend von links: Wilhelm Tron (Vikar), Fritz Faas.

 

Die Mistladung
eine wahre Begebenheit

Es war der Aschermittwoch des Jahres 1994. So ein Mist, dachte wohl ein 64 Jahre alter Landwirt aus Karlsbad, der am späten Nachmittag des Aschermittwoch mit seinem Traktor auf der L 623 unterwegs war. Als er auf Palmbacher Gemarkung versehentlich den Hebel für die Entladevorrichtung betätigte, nahm das Schicksal seinen Lauf. Den Gesetzen der Schwerkraft folgend, landete der Kuhmist auf der Fahrbahn. Weil der wackere Landwirt munter weiter fuhr, verteilte sich der Mist auf eine Strecke von über 500 Meter teilweise zehn Zentimeter hoch durch die Ortsdurchfahrt von Palmbach.

Weil der Verursacher nicht in der Lage war, seinen Mist restlos zu beseitigen, wurde vom Amt für Abfallwirtschaft eine Kehrmaschine angefordert. Des Weiteren rückte die Freiwillige Feuerwehr Wettersbach dem Problem zu Leibe. Als „Männer der Tat" spritzten sie mit dem Schlauch die Fahrbahn sauber. Bei Minusgraden am Baden fror das Wasser sofort. Die Polizeibeamten mussten deshalb zunächst wegen des Kuhmistes eine Fahrbahn und dann wegen der Eisglätte beide Fahrbahnen sperren. Ein Streufahrzeug des Bauhofes Wettersbach streute die Strecke ab, die erst gegen 19.15 Uhr wieder befahrbar war...

(Aus  Sammlung "wahrer" Begebenheiten vom Schwarzwaldverein OG Wettersbach)


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© Roland Jourdan, Stand 11.08.2001

 


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