Wieder mal nach einer Singstunde hatte man sich vor dem nach Hause gehen auf
der Lammbrücke noch etwas zu erzählen. Dach die Unterhaltung wurde des öfteren
von einem früh krähenden Hahn gestört. "So ein Sauvieh", meinte der
Walter, "der Kerl könnte doch seinen Schnabel halten". Ein Mitglied
der "Clique" beschloss da Abhilfe zu schaffen. Nach einigen Minuten
brachte er den Hahn, jedoch mit verkehrter Kopfstellung. Was nun? Ein älterer Sänger
stellte Herd und Küche zur Verfügung, um den Ruhestörer in einen genießbaren
Zustand zu bringen.
Schon auf dem Weg zur Zubereitungsstätte wurde festgestellt, dass dieser
eine Hahn für die Zahl der Beteiligten doch ein bisschen zu wenig sei. Es wurde
beschlossen, ihm noch einen Kameraden zu holen, was auch sofort in die Tat
umgesetzt wurde. Walter musste Schmiere stehen. Um aber gegen etwaige Kalamitäten
geschützt zu sein, mussten die anderen Sänger in absehbarer Nähe des Tatortes
ganz piano ein Liedchen singen. Alles gelang. Der Eigentümer von Herd und Küche
war auch des Schlachtens kundig, deshalb musste er auch die Hähne ihres
Federschmuckes berauben und die operativen Eingriffe vornehmen. An Stelle von
Bier und Wein wurde da Most getrunken und noch einige Liedchen gesungen. Schon
nach einer Stunde kam die erste Fleischbrühe. Ein Gedicht von einer Fleischbrühe.
Der damals älteste aktive Sänger, der 75jährige Benjamin Specht, der
ahnungslos zu diesem Schmaus eingeladen wurde, meinte so nach der zweiten Tasse:
"Kinder, so eine Fleischbrühe, die weckt einen Toten auf! Wenn ich da noch
zwei Tassen trinke, dann springe ich mit gleichen Füßen über den Tisch!"
- - - Die beiden Hähne wurden nur zum Teil verspeist und so machte man sich -
voll in jeder Beziehung - beim Morgengrauen auf den Heimweg. Der Schwiegersohn
des ältesten Sängers stellte jedoch des morgens beim Füttern fest, dass sein
Zuchthahn fehlte. Dem alten Specht kamen nun Bedenken und er erzählte das
Erlebnis der vergangenen Nacht. Das Schicksal nahm seinen Lauf. --- Die reuigen
Sünder traten den Weg nach Canossa an und beichteten ihre verruchte Tat. Zum
Sprecher wurde Walter Tron bestimmt, denn er war der Mutigste und konnte am
besten reden.
Der Adolf Spoth, der Geschädigte, war auch ein alter Sänger und hatte Sinn
für Humor. Sein Urteil lautete: "Ich sollte Euch ja alle anzeigen! Doch
davon würde mein Hahn auch nicht wieder lebendig. Der Zuchthahn kostete mich
20.- Mark, und das müsst Ihr auch dafür bezahlen. Und zwar sofort. Damit ihr
aber seht, was ich für ein guter Mensch bin, soll es an einem Beweis nicht
fehlen.
Das Geld wird heute abend im Lamm versoffen. - Ein Stein fiel allen vom Herzen.
Am Abend traf man sich - zwar immer noch mit einem schlechten Gewissen, mit
dem Zuchthahnvater im Gasthaus ,,Zum Lamm". Er ließ einen Liter Wein nach
dem anderen auffahren. Walter hielt noch einmal eine kleine Rede und beteuerte
abermals, die bösen Hähne seien ja selbst schuld gewesen und eine schlechte
Absicht habe überhaupt nicht vorgelegen.
Das ging dem Geschädigten so zu Herzen, dass er noch jedem eine Portion
Schwartenmagen bezahlte. Aber oh Schreck! Als der Adolf bezahlte, machte er ein
tieftrauriges Gesicht und sagte: "Noi, mei Gott, hätt' ich doch lieber
in's Bett gesch .... So geht es einem, wenn man zu gut ist. Jetzt sind nicht nur
20 Mark für den Zuchthahn fort, sondern noch 30 Mark dazu!" --- Die an
dieser Aktion Beteiligten nannte man lange Jahre die ,,Firma Stauch &
Stehle".