Ehrenbürger Walter Reinhard Tron
Wenn wir denkwürdige Daten und Geschehnisse der jüngeren Geschichte Palmbachs
festhalten wollen, so gehört hierher
auch ein Bericht von der hohen Ehrung jenes gebürtigen Palmbachers, der sich um
unser Ort besonders verdient gemacht hat und zum bisher einzigen Palmbacher
Ehrenbürger ernannt wurde.
Im neuen Palmbacher
Wohngebiet "Ob den Gärten" wurde zur Erinnerung
eine Straße nach Walter Tron benannt.
Festschrift zum 60.
Geburtstag
Walter Reinhard Tron wurde am 2. Oktober 1903 als viertes
Kind des Landwirts und Steinhauers Heinrich Karl Tron und dessen Ehefrau
Christine, geb. Hailer in Palmbach geboren. - Der Vater entstammte einem alten
Palmbacher Waldensergeschlecht. Er hatte eine kleine Landwirtschaft, welche die große
Familie jedoch kaum ernähren konnte. So arbeitete er auch als Steinhauer in den
Palmbacher Steinbrüchen, um zusätzlich etwas Geld zu verdienen. Der Großvater
war Schuhmacher, weshalb diese Linie Tron im Volksmund nur unter dem Namen die
"Schuhmächerle" bekannt war.
Als der 1. Weltkrieg ausbrach, musste der Vater einrücken,
und es kam eine harte Zeit für die achtköpfige Familie. So musste der damals
elfjährige Walter schon in Vielem den fehlenden Vater vertreten. Dieser kehrte
1917 heim, starb aber bald darauf an einem Lungenleiden. Für die Mutter mit
ihren sieben Kindern begann eine schwere Zeit. Im Frühjahr 1918 wurde Walter
Tron aus der Volksschule, welche er viele Jahre als einziger Junge mit sechs
Mädchen in einer Klasse besuchte, entlassen.
Nach seiner Schulentlassung erlernte Walter Tron,
wie sein Großvater, das
Schuhmacherhandwerk. In dem Schuhmachermeister Otto Henkenhaf in
Grünwettersbach fand er einen tüchtigen, aber auch strengen Lehrmeister. Schon
im ersten Lehrjahr richtete er sich im Obergeschoss seines Elternhauses eine
kleine Reparaturwerkstatt ein, um so sein Taschengeld aufzubessern. In dieser
Schusterbude trafen sich auch seine Freunde, deren er wegen seines lauteren
Charakters und seiner Schlagfertigkeit nicht wenige hatte. Mancher
Schelmenstreich wurde dort ausgeheckt und auch anschließend ausgeführt.
Von großen Enttäuschungen in seiner Jugend
blieb er auch nicht verschont. So fiel das Ende seiner Lehrzeit in die Jahre der
Inflation. Eine große Geldentwertung setzte ein, das verdiente und ersparte
Geld wurde immer weniger wert. Im Frühjahr 1923 erreichte die Inflation ihren
Höhepunkt. Ein Beispiel sei erwähnt: Ein Paar Schuhe kosteten im Januar 1923
bereits 10.000,- Mark, im März schon 50.000,- Mark, im April 200.000,- Mark im
Mai Millionen und später Milliarden. Dann kam die Währungsumstellung: aus einer
Billion Mark wurde 1 Reichsmark.
Nach Abschluss seiner Lehre arbeitete Walter
Tron noch einige Zeit als Geselle bei dem Schuhmachermeister Eiermann in
Grünwettersbach. Mit seinem ersparten Geld besuchte er anschließend als
Schuhmachergeselle zwei Jahre die Gewerbe- und Maschinenbauschule in Gießen und
legte mit 23 Jahren die Meisterprüfung ab. - Damit begann für ihn eine
beachtliche Laufbahn. Ab 1926 volontierte er in der
Schuhfabrik "Mercedes" in Stuttgart - Cannstatt. Seine erste
Anstellung erhielt Walter Tron am 1. Januar 1928 als Modelleur bei der
Schuhfabrik Oskar Klan in Dahn. 1932 wurde er Betriebsleiter bei der Schuhfabrik
August Wessels in Augsburg. Im gleichen Jahr heiratete er Frau Emma Müssig aus
Eßlingen. Im Jahre 1934 wurde er zum Direktor und Vorstandsmitglied der Firma
Gustav Hoffmann, Cleve berufen.
Im Jahre 1938 kaufte er die
Schuhfabrik Gebrüder Neuburger in Bamberg und wurde Schuhfabrikant. Er nannte
die Firma in Walter Tron AG um. Die
Schuhfabrik hatte damals 350 Arbeiter. Hier zeigte er nicht
nur, dass er ein tüchtiger und weitschauender Geschäftsmann war, sondern dass
er auch Verständnis für die Sorgen seiner Belegschaft hatte und sie zu einer
großen ,,Familie" zusammenzuschweißen verstand. 1945 gründete er mit
einigen seiner bewährten Meister die "WALDI - Schuhfabrik GmbH" in
Haßfurt am Main. In dieser Zeit beschäftigte er in seinen zwei Schuhfabriken
über 500 Mitarbeiter.
In all den Jahren, in denen er draußen in der Welt
erfolgreich war, blieb er seinem Heimatdorf verbunden und hielt engen Kontakt zu
seinen Jugendfreunden - und als sangesfreudiger Mann insbesondere zum
Gesangverein ,,Harmonie Palmbach". Er ließ dem Verein große finanzielle Unterstützung
zukommen und förderte so die Entwicklung des Gesangvereines in einer armen
Zeit. Der Gesangverein "Harmonie"
ernannte seinen früheren Sänger für die besonderen Verdienste um den Verein
zu ihrem Ehrenmitglied. Beim 50-jährigen Jubiläum im Jahre 1936 und beim
75-jährigem Jubiläum 1961 war er Festpräsident und hielt die Festrede. Ab
1939 gab es regelmäßige Besuche des Gesangvereines in Bamberg und Haßfurt.
In seiner Jugend war er auch aktiver Turner des Turnvereins Palmbach, welchen er
in den Folgejahren ebenfalls unterstützte.
Jahr für Jahr besuchte er sein
Heimatdorf und nahm Anteil an seinem Gedeihen. Wo er konnte, förderte er tatkräftig
die Pläne der Gemeinde, der Kirche und der Vereine und unterstützte sie großzügig.
In der großen Notzeit, vor, während und nach dem zweiten Weltkrieg, als selbst
auf Bezugsscheine nirgends Schuhe aufzutreiben waren, war seine helfend Hand
immer wieder zu spüren. Keine Bitte wurde von ihm überhört oder gar
abgeschlagen. Alle Kinder der im Krieg gefallenen Väter wurden von ihm
jahrelang unentgeltlich mit Schuhen versorgt. Auch alle Kinder von Palmbach
bekamen von Walter Tron jahrelang zum Schulbeginn und zur Konfirmation ein Paar
Schuhe geschenkt.
Besonders zwei Palmbachern Bürgern ist es zu
verdanken, dass die Gemeinde Palmbach 1956 einen neuen Kindergarten bauen und
einrichten konnte. So schenke Frau Lydia Tron der Gemeinde für den Bau
eines Kindergartens ein Grundstück. Walter Tron unterstützte dann das
Bauvorhaben mit einer großzügigen Spende.
Auch die Kirchengemeinde wurde von ihm
großzügig unterstützt: Die neuen Glocken und das elektrische Läutwerk wurden
von ihm vollständig bezahlt.
Für die Reparatur am Kirchenstuhl und am
Treppenaufgang hatte er außerdem einen namhaften Betrag gestiftet.
Walter Tron hielt über all die Jahre engen
Kontakt zu seiner Heimatgemeinde und den Palmbacher Vereinen. Er ist noch heute
als bescheidener Gönner in Erinnerung, der mit seinem Geben nie großes
Aufsehen machte, nie mit seinen materiellen Gütern protzte und keinen Dank
erwartete.
Ausflug des
Gesangvereine "Harmonie" nach Bamberg
Als Dank und Anerkennung verlieh die Gemeinde
Palmbach ihrem Wohltäter und Förderer das Ehrenbürgerrecht. Diese Ehrung vollzog sich in einer schlichten Feier am 19.
Oktober 1953, wenige Tage nach seinem 50. Geburtstag.
Walter Tron verstarb am 16. Februar 1970 an den Spätfolgen eines Verkehrsunfalls.
(Zusammengestellt aus "Vom
Schuhmacher zum Fabrikant" Denkschrift zum 60. Geburtstag des Ehrenbürger
Walter Tron - 02. Oktober 1963. Von Hermann Ludwig)
Den
Originaltext der Denkschrift könne Sie hier nachlesen.
"Die Jugendstreiche des Walter
Tron" haben
wir auch unter Palmbacher Geschichten und Anecktoden
veröffentlicht.
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