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30.03.2008
Diese Chronik wurde
entnommen aus dem Festbuch der Freiwilligen Feuerwehr Grünwettersbach "zum
50jährigen Jubiläum vom 18. bis 25. Mai 1974". Die Chronik wurde
von Günther Löffler geschrieben.
Vom Branddienst
löschpflichtiger Bürger in Grünwettersbach bis zur heutigen Feuerwehr
Lange bevor die Freiwilligen Feuerwehren, so wie sie heute bestehen,
existierten, gab es bereits schon einen organisierten Feuerschutz vor
allem in den Städten, aber auch in den Dörfern und Gemeinden, der durch
entsprechende Verordnungen, Satzungen und Erlasse (geregelt war. Diese
Regelung war auch nur zu natürlich; denn das Feuer, der Kontrolle dos
Menschen einmal entglitten und als „Roter Hahn" auf Wohngebäude und
Scheunen Milzend, konnte nur im Zusammenwirken vieler Menschen wieder
eingedämmt und bezähmt werden.
Mit den zu jenen Zeiten für eine Brandbekämpfung zur Verfügung stehenden
Mitteln und Werkzeugen — lederne oder hölzerne Eimer, Bottiche, Zuber,
einfache Leitern und Hakenleitern, Feuerhaken, Äxte und Pechfackeln, zum
Erleuchten des Brandplatzes bei Dunkelheit - waren viele Handlanger
erforderlich. Diese wurden benötigt bei den Spritzen, den Zubern,
Wasserfässern, Feuereimern, bei den Einreißgerätschaften, bei den
Segeltüchern (Sprungtüchern) und in der Nacht brauchte man solche, die die
Pechfackeln hielten. War der Brand von einer Wasserstelle weit entfernt,
so mussten lange Eimerketten gebildet werden. Das Aufgebot an Bürgern, die
zur Hilfe eilten war groß und wenn die Löscharbeiten auch unter der
Aufsicht eines Aufsehers erfolgten, so dürfte sicherlich oft auch ein
recht großes Durcheinander geherrscht haben.
Zwar wurden die Bürger einer Stadt oder, wie in Grünwettersbach, eines
Dorfes, alljährlich in Rotten eingeteilt, die Rottenführer und Obmänner
bestimmt und die einzelnen Rotten wieder in Lösch- und Fahrmannschaften
aufgegliedert; die Ausbildung der Männer jedoch war meist so dürftig wie
oft auch die Ausrüstung. Zur Übung kamen die Mannschaften ein-, zwei-,
vielleicht auch dreimal im Jahr zusammen.
In einem Protokollbuch des Gemeinderates von Grünwettersbach steht unter
dem Datum des 31. Januar 1844 wörtlich: „Bei der heutigen Rathsitzung
wurde die Feuerordnung wieder aufs neue angeordnet, wovon die Bürgerschaft
in drey Glaßen und jede Glaße drei Rotten ... Zugleich wird jeder Glaß ein
Obmann gewählt und jeder Rott ein Rottenführer bestimmt, auch wird für
die Fahrende und Handspritze Manschaft dazubestimmt, womit solche
Erneuerungsprotokolen Einem Großherl. Hochlobl. Oberamt zugesendet
werden." Unterzeichnet wurde diese Protokollniederschrift von
Bürgermeister Beller und den Gemeinderäten Jakob Fr. Löffler, Johann
Ludwig, Heinrich Löffler und Johann Lutz. Nicht nur die Gemeinde war nach
der bestehenden Ordnung gehalten, für die notwendigen Löschgerätschaften
zu sorgen, sondern auch die Bürger der Gemeinde mussten ihren Teil für die
Sicherheit ihrer Häuser beitragen. In jedem Haus hatte neben einem
Feuereimer auch stets eine gewisse Menge Wasser bereit zu stehen. In den
Rechnungsbeilagen der Gemeinde ist bezüglich der Feuereimer zu lesen: „
... nach voriger Rechnung ... ist alter Observanz gemäß ein jeder
angehender Bürger bei seiner Vermählung für einen Feuereimer 36 Kreuzer
zu bezahlen schuldig."
Die Existenz einer Feuerwehr in Grünwettersbach lässt sich in den
Gemeindebüchern bis zum Jahre 1787 und bei gründlicheren Nachforschungen
wohl auch noch weiter zurück verfolgen. In den Rechnungsbüchern von 1787
bis 1788 erscheinen Ausgaben in Höhe von 16,36 Gulden für die
Feuerspritzenhütte. Zu den Unkosten, die der Gemeinde Grünwettersbach
durch die Unterhaltung einer Feuerspritze entstanden waren wurde auch die
Gemeinde Palmbach herangezogen und zwar zu einem Drittel, während die
Gemeinde Grünwettersbach zwei Drittel beizusteuern hatte. Hierüber ist in
den Rechnungen von 1802 und 1803 nachzulesen: hat die hiesige Gemeinde und
die Gemeinde Palmbach eine
gemeinschaftliche Feuerspritze und Hütte, darin dieselbe steht. Die auf
beides zu erwar-;-3rd~n Kosten hat die hiesige Gemeinde zu zwei Drittel
und die Gemeinde Palmbach zu
einem Drittel zu leiden. Die heuer auf die Feuerspritze verwendeten Kosten
betragen 32 üui den 38 Kreuzer, wovon die Gemeinde Palmbach beizutragen
hat 10 Gulden 52 Kreuzer,' Als Fährnis der Lösch- und Spritzenmannschaft
wird 1816/17 aufgeführt: 1 Feuerspril/o, 40 Schuh lederne Schläuche, 2
Fahnen, 20 gute Feuereimer, 2 Feuerleitern, 2 Feuerhaken, 2 Hebeisen, 1
Schlegel, 1 Pickel.
Bemüht darum, die Lösch- und Spritzenmannschaft im Ort weiter auszurüsten,
hatte der Gemeinderat im Jahre 1827 der Anfertigung von Leitern und
Feuerhaken seine Zustimmung gegeben. Unter dem 25. Juni 1827 ist darüber
zu lesen: „Unter heutigem hat man sämtliche Wagner von hier auf das
Rathaus berufen und unter ihnen die Fertigung von drey Feuerleitern, a von
38, b von 34 und c von 30 Fuß lang, ebenso drey Stück Feuerhaken nach
vorstehenden Längen, alles mit Eisen und allen Zugehörden in Abstreich
versteigt. Wo dann solche Arbeit im niedersten Angebot erhielt Jakob
Kappler für 30 Gulden." Im November 1844 erhielt die Mannschaft von dem
Fabrikanten Hündle emhundertunddrei Fuß hänfene Feuerspritzenschläuche zum
Preis von 30 Gulden. Am 20. August 1848 wurde der Zimmermeister J. Bohraus
mit der Fertigung eines Feuerhauses beauftragt. Am 21. März 1849 erhielt
Ernst Gebhardt von Langensteinbach für 16 Stck Feuereimer 9,36 Gulden. Für
die Arbeit an den Feuerleitern erhielt Jak. Merkle 4,42 Gulden und Schmied
Löffler 32 Kreuzer. Wegen dem in der Jak. Reichschen Behausung
ausgebrochenen Brande erhielt Andreas Rabold 45 Kreuzer.
Als Spritzenmeister werden im Jahre 1819 der Schmied Johannes Löffler und
der Wagnermeister Gottfried Carl erwähnt. 1849 finden sich als
Spritzenmeister die Namen von Philipp Jakob Ruf und Georg Kappler, die für
ihre Tätigkeit als Spritzenmeister eine jährliche Gebühr von 2 Gulden zu
beanspruchen hatten. Die Wartung und Pflege der Gerätschaften oblag
offensichtlich dem Ortsdiener, denn er erhielt am 24. März 1836 für die
Einschmierung der Feuerspritze und der „Schleiche", sowie für die
Anschaffung des Schmutzes (Schmierfett) für das ganze Jahr 5 Gulden.
Die Alarmierung der zu den Löscharbeiten eingeteilten Bürger erfolgte
durch das Läuten der großen Sturmglocke auf dem Kirchturm. Um die Kunde
von dem Brand oder einer Feuersbrunst nach draußen, in andere benachbarte
Orte zu bringen und von dort, wenn erforderlich Hilfe herbeizuholen,
wurden die Feuerreiter abgesandt. Waren größere Entfernungen
zurückzulegen, so gaben die Feuerreiter ihre Meldung an festgelegten
Stellen an einen anderen ablösenden Reiter (Staffeltenreiten) weiter.
In einer Gemeinderechnung von 1847 lesen wir hierüber: „Vier (für) die
Gemeinde in Grünwettersbach. Vor (für) das Feierreiden (Feuerreiten) nach
Balmbach (Palmbach) 30 Kreuzer, verner (ferner) für das Absagen zu Reiden
(reiten) wieder nach Balmbach 30 Kreuzer. Die richtige An- und Absagung
bescheind Grünwettersbach den 20ten Dezember 1847, Ulrich Kappler."
Aus den Pflichten, die für jede Klasse der bei einem Brand beschäftigten
Personen ent
standen sind, ist aus der Stadt Ettlingen z. B. bekannt, dass diese sieben
Feuerreiter und
dazu noch drei weitere Feuerreiter als Reserve aufgestellt hatte. Als
Spritzenmeister waren
meist die Stadträte eingeteilt. Das Aufteilen der Pech kränze oblag den
Feldschützen, die
Fuhrleute sorgten für die Fortbewegung der Feuerspritzen, an den
Feuerhaken waren die
Zimmerleute und an den Leitern die Maurer eingeteilt. __«___
Die alten Gemeindebücher geben auch darüber einigen Aufschluß, wo die
Grünwettersbacher Lösch- und Spritzenmannschaft mit ihrer Feuerspritze
oder auch die „Feierreider" (Feuerreiter) in nachbarschaftlicher
Hilfeleistung zum Einsatz gekommen war. Bei dem Brand in Pforzheim im Juli
1822 z. B. waren als Feuerreiter die Bürger Jakob Friedrich Kappler,
Hanssohn, Jakob Friebolin, Georg Friedrich Löffler, Philipp Lust und
Philipp Claupein mit ihren Pferden unterwegs. Am 18. Juli 1822 wurde die
Mannschaft zu einem Brand in Ober-Stübelbach (?) und am 23. April 1823 zu
einem Brand in Nöttingen gerufen.
Auch bei dem Brand im Hoftheater in Karlsruhe am 28. Februar 1847 war die
Grünwettersbacher Spritzenmannschaft zum Einsatz gekommen. Hierüber steht:
in den Gemeinderechnungsbeilagen zu lesen: „Unter obigem Tadum (28. Februar
1847) haben nachbeschriebene hiesigen Einwohner an die Feuerspritze bey dem
Brand in Karlsruhe im Hoftheater gespannt und haben für ein Pferd in
Anrechnung zu bringen ... für 1 Pferd 1 Gulden 21 Kreuzer, für 4 Pferde
zusammen 4 Gulden 84 Kreuzer."
Die
alte aber noch sehr gut erhaltene Feuerspritze, die in der Gemeinde noch
existiert,
trägt die Jahreszahl 1887 und wurde von der Firma Carl Metz in Heidelberg
gebaut und
geliefert. Über diesen Vorgang findet sich in den Unterlagen der Gemeinde
ein Frachtbrief
/on der Großherzoglichen Badischen Staats-Eisenbahn an die wohllöbliche
Gemeinde Grün
wettersbach über eine Feuerspritze und eine Pferdedeichsel. Der Frachtbrief
trägt das
Datum vom 4. August 1887. Gleichfalls vorhanden ist noch der Vertrag über
die Lieferung
einer Feuer-Spritze mit Saugwerk zwischen der Gemeinde Grünwettersbach und
der Firma
Carl Metz in Heidelberg zum Preis von 2000 Mark.
Günter Löffler (1974)
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