
Grün-
wettersbach

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Roland Jourdan
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Hier entsteht eine neue Seite. Stand
20.08.2008
Sie finden hier die Orts-Chronik
von Grünwettersbach aus dem Jahre 1974.
Diese Chronik wurde
entnommen aus dem Festbuch der Freiwilligen Feuerwehr Grünwettersbach "Zum
50jährigen Jubiläum 18. bis 25. Mai 1974. Die Chronik wurde
von Günther Löffler geschrieben.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Freiwilligen Feuerwehr
Wettersbach.
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Chronik von Grünwettersbach aus dem
Jahre 1974
— heute Ortsteil der
Gemeinde Wettersbach —
Das vordem
verhältnismäßig ruhige, rein ländlich geprägte, aber seit der Mitte der
50er Jahre rasch aufstrebende Dorf Grünwettersbach, heute Ortsteil der
Gemeinde Wettersbach, liegt im oberen Teil eines idyllischen
Waldtales an den nördlichen Ausläufern des
Schwarzwaldes; da, wo die fruchtbare
Kraichgau-Landschaft beginnt,
Zwar kommt in dem
Gemeindesiegel von Grünwettersbach symbolisch zum Ausdruck,
daß sich die Gemarkung über vier Höhen
erstreckt; jedoch zeigt das Wappen, in silbernem Schild ein über vier
blaue Berge schreitender roter Löwe, das Wappen der Grafen von Vaihingen,
die einst Patronatsherren von Grünwettersbach waren.
Das Dorf hat eine rund
800 Jahre lange geschichtliche Entwicklung hinter sich. Als ältestes
Bauwerk aus der Gründungszeit weist der romanische Turm der evangelischen
Kirche, im nördlichen Teil des Dorfes auf ansteigendem Hang, in das 12.
Jahrhundert zurück. Man darf annehmen, daß der
Ort eine Gründung der Zisterzienser-Mönche des im Jahre 1148 von Graf
Berthold III. von Eberstein gegründeten Klosters Herrenalb ist, die die
Aufgabe hatten, das bis dahin hier bestehende Waldland des
Alb-Pfinz-Plateaus, das ein Teil des damaligen
Ufgaues darstellte, zu besiedeln. In einer
Schenkungsurkunde des Probstes Albert von
Remchingen aus dem Jahre 1289 wird das Dorf erstmals urkundlich erwähnt
als „Weddirsbach"; 1292 „Weterspach";
1348 „Wethersbach"; 1395 und 1550 „Wetterspach";
1479 „Wettersbach"; 1527 „Grienwetterspach";
1617 „Grünen Wetterspach". Die Namen werden
abgeleitet von dem durch das Dorf fließenden Bach. Der „Wetterbach"
wiederum
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soll eine Ableitung vom
Bach des „Weter" oder „Withar"
sein. Im Gegensatz zu Grünwettersbach steht dabei
Dürrenwettersbach, heute Hohenwettersbach. Da Grünwettersbach die
Mutterkirche der umliegenden Dörfer war, darf die Annahme begründet sein,
daß es die älteste Siedlung in der weiteren
Umgebung ist.
Der Probst von St,
German in Speyer, Heinrich von Nortenberg,
übte bis zum Jahre 1348 das Patronatsrecht der Kirche zu Wettersbach aus
und übergab es dann den Brüdern des Johanniterordens. Doch Grünwettersbach
scheint auch einen eigenen Adel besessen zu haben. Im Jahre 1389 geloben
Balsam und Kraft von Wettersbach, Gebrüder und Edelknechte, den Verkauf
eines Hofgutes zu Wettersbach, genannt des „Knüttels Hof", den ihr Vater
Werner von Wettersbach der Herrschaft von Württsmberg
verkauft hat, anzuerkennen und auf alle Ansprüche zu verzichten. In einem
alten Lehnbuch wird 1350 die Belehnung eines Endris
von Ysoltshausen mit einem Hof zu Wettersbach
erwähnt. Auf weiteren adeligen Besitz lassen der „Hachelingerhof"
der Remchinger, der „Mallen-" und der „Gollen-hof"
der badischen Markgrafen schließen.
Die Lage des Ortes war
für die damals ackerbautreibende Bevölkerung
günstig. Der Boden war fruchtbar und Holz zum Bauen und Brennen gab es in
den weiten Wäldern ringsum genügend. Als Absatzmarkt für die bäuerlichen
Erzeugnisse boten sich die umliegenden Städte wie Ettlingen, Durlach und
Mühlburg günstig an. Gut befahrbare Wege erleichterten den Verkehr in die
Täler der Alb, der Pfinz und des Rheines. Es
waren somit günstige Bedingungen vorhanden für ein gutes Gedeihen des
Dorfes mit seinen damals 600 Bewohnern, wie überliefert wird. Tatsächlich
scheint das Dorf unter der Herrschaft der Durlacher Markgrafen einen
solchen Wohlstand gehabt zu haben, daß
dieselben, so jedenfalls weiß es die Sage, mit silbernen Pflügen gepflügt
und mit silbernen Rädern an den Wagen aufs Feld gefahren sind.
Das einstmals
katholische Dorf gehörte bis etwa 1535 zum Kloster Herrenalb, doch schon
1534 wurde in Wettersbach der erste evangelische Pfarrer, dessen Name und
Wirksamkeit nicht bekannt ist, angestellt. In oben erwähntem Jahr 1535
wurde das Kloster Herrenalb aufgelöst und somit das Gebiet des
Alb-Pfinz-Plateaus herrenlos geworden. Diesen
Umstand nutzte Herzog Ulrich von Württemberg und nahm Besitz von diesem
Gebiet. Damit schuf er einen württembergischen Korridor durch
markgräfliches Gebiet, und dies, obwohl die Durlacher Markgrafen
protestierten, ebenso wie auch der Markgraf Bernhard von Baden-Baden als
Schutzherr des Klosters Herrenalb. Dieser allerdings erwirkte ein
kaiserliches Mandat gegen die unerwünschte Besitzergreifung und die
Pfarrei wurde vorübergehend wieder mit einem katholischen Geistlichen
besetzt. Erst von 1549 an folgten in ununterbrochener Reihenfolge lauter
evangelische Pfarrer, während die bisherigen
Filialorte Etzenrot, Reichenbach,
Busenbach und Stupferich beim alten Glauben blieben. Der Württemberger
Ulrich hing der neuen Lehre Luthers an, und somit war auch
Grünwettersbach, als dem württembergischen Korridor, evangelisch
geworden, getreu der geltenden Regel „cuius
regio ejus
religio" — Was der Herr glaubt müssen auch die
Untertanen glauben — 1564, das sind 15 Jahre nachdem die verbliebenen
Filialkirchen von der Mutterkirche abgetrennt wurden, wurde die Pfarrei
erneuert mit den Tochtergemeinden Dürrenwettersbach
und Mutschefbach. Grünwettersbach blieb nunmehr 270 Jahre lang, bis 1806,
württembergisch und zinste an das weit entfernte Rentamt in Neuenbürg. In
dieser gewaltsamen Grenzziehung hat eine Kuriosität, die allerdings erst
200 Jahre später auftauchte, ihren Ursprung. Im Zusammenhang mit der
Verfestigung der Grenzen im 18. Jahrhundert wurde an der Abzweigung der
Hohenwettersbacher Straße von der Hauptstraße
die nach Wolfartsweier führte, ein Schlagbaum errichtet, der Baden und
Württemberg mitten in Grünwettersbach trennte. Der Volksmund nennt noch
heute diese Abzweigung den „Zollstock".
Viele Not und Elend
brachte der 30jährige Krieg (1618—1648) auch über die Gemeinde
Grünwettersbach und die umliegenden Dörfer. Obgleich zu Beginn dieses
Krieges bis etwa 1633 keine allzu großen Störungen auftraten und man von
den Drangsalen noch ver-
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schont geblieben war,
brauste die Kriegsfurie um die Jahre 1640 umso furchtbarer über diese
Landschaft hinweg. Kroatische und schwedische Horden plünderten und
brandschatzten den Ort und peinigten seine Einwohner. Eine traurige Sage
berichtet, daß man den Pfarrer an ein
Scheunentor genageit hatte und
daß bei dem jammervollen Anblick die einzige
noch übrige Glocke im Turm angefangen habe zu läuten, wodurch dem
mißhandelten Pfarrer Hilfe und Rettung zuteil
geworden sei.
Durch ein allgemeines
Landsterben soll die Gemeinde nahezu völlig entvölkert worden sein. Die
Häuser, die vom Feuer nicht zerstört waren, verfielen und die Gärten und
Felder wurden zur Wildnis. In einem Protokoll von 1640 findet sich die
Notiz, daß die beiden Orte, Grünwettersbach
und Mutschelbach, öd und leer stehen.
Nachdem sich das Dorf
nach dem SCjährigen Krieg wieder etwas erholt
hatte, wurde es schon 40 Jahre später von neuem Unheil heimgesucht. Bei
dem Einfall der Franzosen unter General Melac
im Jahre 1689 wurde das Dorf geplündert und niedergebrannt. Die
zurückgebliebenen Einwohner wurden mißhandelt
und mit unerschwinglichen Kontributionen belastet. Einzelne Bürger sollen
als Geißeln fortgeschleppt worden sein. Die Grünwettersbacher Handwerker
und Bauern überwanden aber auch diesen Schicksalsschlag und gingen an den
Neuaufbau des Ortes. Die Jahreszahl 1697 am oberen Türbalken des derzeit
ältesten Hauses in Grünwettersbach, einer ehemaligen Dorfschmiede an der
Hauptstraße 38 beweist, daß man an einen
schnellen, aber keineswegs behelfsmäßigen Wiederaufbau ging.
Was aber war aus den
Menschen geworden, die nach all den schrecklichen Kriegsereignissen übrig
geblieben waren und wie sehr haben sie sich verändert? Pfarrer Specht
schreibt in seinem Büchlein von 1887, daß die
Sitten verwildert waren und die Unsicherheit um Leben und Eigentum nahmen
immer mehr zu. Ehebruch, Trunksucht und Diebstahl waren an der
Tagesordnung. Weder Sonn- und Feiertage wurden eingehalten; der Kirchgang
wurde versäumt und die besten Geschäfte machten die Wirtshäuser. Wohl sei
dagegen scharf gepredigt und harte Strafen angedroht worden mit
Einsperrungen im Zuchthäusle, im Block und
Stock. Auch Geldstrafen und Kirchenbuße wurde auferlegt; jedoch der
Schaden bei den Menschen sei so tief verwurzelt gewesen als Folge der
jahrzehntelangen Kriege, daß alle
Strafandrohungen nicht mehr helfen wollten. Es sei dies ein Zustand
gewesen, der nicht nur hier, sondern überall im ganzen Volk anzutreffen
gewesen sei. Doch auch diese traurigen Zeiten gingen vorüber und durch die
erfahrene Not und die vielen Trübsale geläutert, gingen die Menschen einer
besseren Zeit entgegen. Dankbar gedachte man dort dem segensreichen Wirken
einiger Pfarrer hier im Ort, wie etwa dem Ulrich Mayer,
Sigelen, Reich, Reinhard und manchem anderen.
Vor allem Pfarrer Ulrich Mayer war es, der durch seine ihm zugeschriebenen
übernatürlichen Kräfte im Volk weithin bekannt geblieben war. Während der
Zeit seiner Anwesenheit in Grünwettersbach von 1786—1794 heilte er
Krankheiten bei Mensch und Vieh und man erzählte sich,
daß er ferner noch die Gabe besessen habe, in
der Neujahrsnacht alle die Gemeindeglieder zu erkennen, die im kommenden
Jahr sterben würden.
Von Bedeutung für die
sicherlich damals noch immer recht wenigen Bürger hier im Ort war die
Gründung einer Waldensergemeinde auf Grünwettersbacher Gemarkung im Jahre
1700. Für die 28 aus La Balme in Savoyen vertriebenen Familien wurden 340
Morgen Waldland zur Verfügung gestellt. Sie schufen ein neues Dorf und
gaben ihm den Namen „La Balme" — Palmbach. Obgleich es eine, trotz
württembergischer Herrschaft, von Markgraf Friedrich Magnus in Durlach
angeordnete Zwangsmaßnahme war, gab es keine Feindseligkeiten zwischen
den Neuankömmlingen und den wenigen verbliebenen Leuten, die immerhin
noch über 1800 Morgen Land verfügten. Ja, einzelne Waldenserfamilien
ließen sich in Grünwettersbach nieder, worauf heute noch die Namen
Jourdan, Raviol und Claupein hinweisen.
Allmählich kehrte auch
in Grünwettersbach verstärkt der Wille zum Wiederaufbau des Dorfes ein und
damit war dann auch wieder die Voraussetzung für einen gewissen Wohlstand
der Bürger geschaffen. Der Schulhausneubau im Jahre 1755 in der
Kirchstraße 8 kann als
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erstes Zeichen dafür
angesehen werden, daß das Dorf wieder eine
Aufwärtsentwick!ung
zu vermerken hatte. Auf der Suche nach den Gründen für eine rasche
positive Entwicklung des Dorfes im Vergleich zu anderen, stößt man vor
allem auch auf die günstigen Bodenverhältnisse in der Gemarkung. Der
fruchtbare Lößboden des südwestlichen Kraichgaues
bis auf das Grünwettersbacher Gebiet übergreifend, bot die Gelegenheit für
einen recht umfangreichen Flachsanbau, der als Grundlage für einen
erträglichen Nebenerwerb, der Heimweberei, diente. Die Webstühle
klapperten in den Häusern des Dorfes bis zum Jahre 1836, als in jenem Jahr
die Spinnerei- und Weberei-Fabrik im Albtal
bei Ettlingen gegründet wurde. Lange Zeit diente unser Dorf als Reservoir
für Facharbeiter in dieser Fabrik. Tag für Tag unternahmen die
Grünwettersbacher den einstündigen Weg hinunter ins
Albtai, um dort ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Der Name
„Spinnereiweg" erinnert noch heute an jene Zeit.
Neben der hauptsächlich
betriebenen Landwirtschaft ging ein Teil der Einwohnerschaft aber auch der
gewerblichen Arbeit nach, wie etwa der Steinhauerei, worauf noch viele
aufgelassene Steinbrüche hinweisen. Heute sind nur noch zwei, die
Steinbrüche Barth an der Hohenwettersbacher
Straße und Kunzmann-Schäfer zwischen Röthlingweg
und Aibtal-straße in Betrieb. In zwei nicht
mehr bestehenden Ziegeleien wurden Backsteine und Dachziegel hergestellt
und auch Kalk gebrannt. Einige Hafner erzeugten
einfaches Tongeschirr und boten es zum Teil hier im Ort oder auch
außerhalb zum Verkauf an. Im Jahre 1842 gab es in Grünwettersbach: 1
Bäcker, 1 Glaser, 2 Hafner, 2 Händler, 1 Küfer, 1 Krämer, 53 Landwirte,
31 Leineweber, 6 Maurer, 5 Schmiede, 4 Schneider, 2 Schreiner, 13
Schuster, 1 Steinhauer, 1 Strumpfstricker, 29 Tagelöhner, 2 Wagner, 4
Gastwirte, 6 Zimmerleute und 127 waren ohne Gewerbe.
Die nach und nach in
Durlach und in Karlsruhe aufkommenden Industriebetriebe zogen mit der Zeit
immer mehr Ortseinwohner an, so
daß die Landwirtschaft wie auch die bisher
noch immer den Lebensunterhalt sichernden handwerklichen Berufe
vernachlässigt wurden, um sich der mehr Geld einbringenden Arbeit in der
Fabrik zuzuwenden. Selbst diejenigen, die bisher in der Spinnerei und
Weberei Arbeit gefunden hatten, orientierten sich allmählich um und
suchten die Fabriken in Durlach und Karlsruhe auf. Noch heute erzählt man
sich unter den älteren Leuten viele Geschichten aus jener Zeit, die
unterwegs von Grünwettersbach über das „Rotenbüschele"
und den „Heuberg" nach Durlach oder auf dem Heimweg geschehen waren. War
man doch auch nach Durlach immerhin zu Fuß eine Stunde unterwegs.
Noch einmal aber
mußte das Dorf einen erheblichen Rückschlag
hinnehmen, als im August 1837 ein schweres Unwetter 34 Häuser beschädigte
und die ganze noch auf den Feldern stehende Ernte vernichtete. Die Straßen
wurden zerrissen und die Brunnen verschüttet. Die Keller und Wohnungen der
Häuser waren gefüllt von Geröll und Schlamm. Menschenleben waren
glücklicherweise nicht zu beklagen. Der gesamte Schaden wurde auf 33415
Gulden geschätzt, Mit Hilfe der Nachbargemoinden
war man wochenlang damit beschäftigt, den vielen Schutt zu beseitigen und
die großen Schäden zu beheben. Auch der Großherzog Leopold von Baden,
Grünwettersbach war inzwischen im Jahre 1808 ja wieder badisch geworden,
eilte nach Grünwettersbach und bewilligte den beiden schwer betroffenen
Gemeinden Grünwettersbach und Wolfartsweier eine Gabe von 700 Gulden,
welcher die Großherzogin Sophie nochmals 300 Gulden und die Markgrafen
Wilhelm und Max weitere 250 und 200 Gulden hinzufügten. Hinzu kamen noch
weitere Spenden aus der Residenzstadt Karlsruhe und Umgebung, die teils
in Geld, 3348 Gulden, teils in Naturalien gegeben wurden. Eine
Sandsteinpyramide, der „Wetterstein" genannt, an der
Wetterbachüberque-rung zwischen Wolfartsweier und Grünwettersbach,
erinnert die Nachwelt an jenes schrek-kensvolle
Ereignis.
Über all dies vergaß
die Gemeinde jedoch nicht, den weiteren Aufgaben, die ihr gestellt waren,
nachzukommen. Das erste, im Jahre 1755 an der Kirchstraße erbaute
Schulhaus, in dem als erster Lehrer hier im Ort ein Georg Christof Hafner
wirkte, wurde abgetragen und an seiner Stelle im Jahre 1846 ein neues
Schulgebäude mit zwei Klassen und einer
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Lehrerwohnung erbaut.
Im Jahre 1912 erfolgte der Neubau des Schulhauses an der Busenbacher
Straße mit vier Unterrichtsräumen und einem separaten Lehrerwohnhaus. Die
im Jahre 1866 ins Leben gerufene Kleinkinderschule, die zunächst in einem
privaten Raum im Haus Hauptstraße 46 abgehalten wurde, errichtete ihr
erstes Kinderschulgebäude im südlichen Teil des Dorfes bei der
Wiesenstraße im Jahre 1874. 1907 wurde das Gebäude aufgestockt, um im
Obergeschoß Wohnraum für die Krankenschwester und in den bisherigen
Unterrichtsräumen solchen für die Kinderschwester zu schaffen, nachdem man
in eben diesem Jahr zugleich auch ein Nebengebäude für den
Kinderschulbetrieb errichtet hatte. Im Jahre 1880 wurde das alte Rathaus
abgebrochen und an gleicher Stelle im Jahre 1881 ein Neubau errichtet. Bis
zum Jahre 1892 erfolgte die Wasserversorgung durch mehrere Zieh- und
Schöpfbrunnen und von da an durch die 1892 für das
Alb-Pfinzplateau errichtete Wasserversorgungsleitung von Singen im
Pfinztale her.
Es war wohl auch in den
letzten Jahren des vergangenen 19. Jahrhunderts, als in Grünwettersbach
die tiefen Bachrinnen, die die Ortsstraßen mehrfach durchschnitten,
überbrückt wurden.
Der stark betriebene
Tabakanbau hier im Ort war es wohl, der die Gemeinde
veranlaßte, im Jahre 1888 das erste und einzige Fabrikgebäude, eine
Zigarrenfabrik, zu bauen. 1910 wurde das Gebäude erweitert. 1955 verkaufte
die Gemeinde das Gebäude an die Firma W. Köhler, die dann eine
Wäschefabrik einrichtete. Eine Kleinmöbelfabrik im Jahre 1961 an der
Wiesenstraße, Ecke Hauptstraße eingerichtet, beschäftigt heute eine Anzahl
hiesiger Einwohner. Außerdem bestehen noch zahlreiche kleinere
Handwerksbetriebe. Eine gewisse Bedeutung für Grünwettersbach hat auch der
badische Dichter Johann Peter Hebel. Einer seiner Jugendfreunde, J. Ch.
Mylius wirkte als Pfarrer von 1817 bis 1831 im
Orte, und da Hebel damals Prälat der evangelischen Kirche in Karlsruhe war
und dort auch lebte, soll er auch hie und da seinen Freund in
Grünwettersbach besucht haben. Die Haushälterin des Pfarrers
Mylius namens Veronika
Geiger-EI!richhausen aber behauptete in späteren Jahren in ihrem
Alter, da Hebel längst der grüne Rasen deckte, sie sei jene
Verene, derzuliebe
Hebel das Gedicht „Hans und Verene"
verfaßt habe. Dies entspricht aber nicht den
Tatsachen. Trotzdem wurde diese Frau, die dann einen Rohrer von hier
ehelichte, von den Hebelfreunden in Karlsruhe bei den Feiern zu Hebels
100. Geburtstag (1860) als „Hebels Vrenele",
wie sie sich selbst bezeichnete, fast in den Mittelpunkt der Hebelfeiern
gestellt und für sie Sammlungen veranstaltet. Eine Zeitlang wurde ihr
damit aus der Notlage, in der sie sich befand, geholfen. Diese ganze
Angelegenheit mit „Hebels Vrenele" gehört aber
ins legendäre und fand vielfach eine ganz falsche Auslegung. Indes
erinnert aber doch eine Inschrift am Haus Hauptstraße 24 daran,
daß in eben diesem Hause „Hebels
Vrenele" wohnte.
Nach dem zweiten
Weltkrieg erfuhr das Dorf mit dem Eintreffen von nacheinander etwa 400
Heimatvertriebenen und Flüchtlingen im Jahre 1946 und danach, eine gewisse
Veränderung. Die vormals nahezu rein evangelische Gemeinde erhielt
nunmehr einen großen Anteil von katholisch gläubigen Neubürgern, die sich
mit viel Eigenhilfe, aber auch durch staatliche Mittel unterstützt, im
Gewann „Eichhalden" im südlichen Ortsteil, ihre neuen Heimstätten bauten.
Kaum jedoch war die Integrierung dieser Neubürger vollzogen, zeigte sich
etwa ab der Mitte der 50er Jahre eine neue Entwicklung dadurch an,
daß aus der Umgebung, vor allem aus dem
Stadtgebiet von Karlsruhe, eine große Zuwanderung neuer Familien erfolgte,
um hier heimisch zu werden. Es entwickelte sich eine überaus rege
Bautätigkeit und die Gemeinde war bestrebt, durch die Umlegung von
Ackerland neues Bauland für den Wohnungsbau zu schaffen.
Die Ausdehnung des
Dorfes vollzog sich zunächst in südlicher, später in östlicher und
westlicher Richtung. Es entstanden viele völlig neue Wohngebiete in den
Hanglagen, die das alte Dorf umschlossen. So besonders in den Gewannen
„Berg", „Löhl", „Reickert",
„Eichhalden", und „Ob der Eichhalden", „Reuth",
„Wingertacker", „Gräfelsberg", „Horf-wald"
und jetzt auch, in diesen Wochen und Monaten im Gebiet „Sperling-Krummenacker-Ziegelhütte".
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Die Vergrößerung des
Ortes und die Zunahme der Einwohnerschaft bewirkte,
daß der Gemeinde Grünwettersbach viele neue
Aufgaben, die nacheinander zu bewältigen waren, erwuchsen. Neben dem
Ausbau und der Verbesserung der Ortsstraßen Mitte der 50er Jahre, erfolgte
im Jahre 1957 der Bau einer Friedhofskapelle. In den Jahren 1962/64 wurde
das im Jahre 1881 erbaute Rathaus an der Hauptstraße umgebaut und
vergrößert. Die Freiwillige Feuerwehr hatte 1962 gegenüber dem Rathaus ein
neues Gerätehaus erhalten. Zur Behebung der immer mehr zunehmenden
Schulraumnot wurde im Jahre 1957 das 1912 erbaute Schulhaus um ein drittes
Stockwerk mit weiteren zwei Klassenzimmern vergrößert. Vier weitere
Unterrichtsräume kamen hinzu, als man unmittelbar neben das Schulgebäude
in der Schulstraße einen Pavillon stellte. Im September 1973 konnte die
östlich des Dorfes im Gebiet „Stupfericher
Weg" erbaute „Carl-Benz-Schule" als Nach barsch
afts-Hauptschule eingeweiht und ihrer Bestimmung übergeben werden.
Die bisherigen Volksschulen in Grünwettersbach und Palmbach wurden als
Heinz-Barth-Schule und Waldenserschule benannt
und bilden heute die Grundschulen der Gemeinde Wettersbach.
Im
Gräfelsberg-Gebiet entstand 1957 eine neue katholische Kirche, die
auf den Namen des Heiligen St. Thomas geweiht wurde. 1962 schuf sich die
Neuapostolische Gemeinde an der südlichen Bergstraße ein neues Gotteshaus.
1962/63 baute die evangelische Kirchengemeinde im Gewann „Horfwald"
einen neuen Kindergarten. Der 1874 erbaute und 1907 erweiterte
Kindergarten an der Wiesenstraße hatte den Anforderungen nicht mehr
genügt. Das Gelände dort wurde samt den Baulichkeiten veräußert. Im März
und April letzten Jahres wurde das alte Pfarrhaus bei der evangelischen
Kirche, samt dem danebenstehenden Waschhaus
und dem Gemeindesaal restlos abgebrochen. Ein neues Pfarrhaus entstand
jetzt weiter rückwärts in dem Kirchengelände am Klammweg und das neue
Gemeindehaus, das eben im Rohbau fertiggestellt
wurde, wurde auf der Stelle errichtet, da das alte Gemeindehaus gestanden
hatte.
Die Struktur des Dorfes
hat sich in all den zurückliegenden Jahren und Jahrzehnten grundlegend
gewandelt. Aus dem einstigen Ort mit einer rein landwirtschaftlich und
handwerklich orientierten und etwa ab 1900 auch zur Industrie in den
nahegelegenen Städten hin ausgerichteten
Einwohnerschaft, wurde in den letzten Jahren eine reine
Vorstadt-Wohngemeinde mit völlig neuem Charakter.
Die Verwaltungs- und
Gemeindereform in Baden-Württemberg tat ihr übriges zu der neuen
Entwicklung hinzu. Nach zunächst langwierigen Verhandlungen und vielen
Gesprächen anfänglich mit den Gemeinden Hohenwettersbach, Wolfartsweier,
Stupferich und Palmbach zur Bildung einer Großgemeinde, erwuchs, nachdem
sich zuerst Stupferich, dann Hohenwettersbach und zuletzt auch
Wolfartsweier nach Karlsruhe orientierten, aus der zuletzt
übrigbleibenden Fusion mit der Gemeinde
Palmbach am 1. Januar 1972 die Gemeinde Wettersbach mit insgesamt heute
4700 Einwohnern in den beiden Ortsteilen Grünwettersbach und Palmbach.
Kaum jedoch war die
junge Fusionsgemeinde ein halbes Jahr alt, zogen neue, die
Selbständigkeit der Gemeinde Wettersbach bedrohende dunkle Wolken am
Horizont auf. Was man in der Gemeinde mit allen Mitteln und unbedingt
verhindern wollte trat ein: die Landesregierung bestimmte schließlich die
Zuordnung der Gemeinde nach Karlsruhe. Die Flucht nach vorne antretend,
nahm die Gemeinde die Verhandlungen über einen Eingliederungsvertrag auf
freiwilliger Basis mit Karlsruhe auf, der nun voraussichtlich zum 1.
Januar 1975 vollzogen und eingelöst wird.
Günther Löffler 1974
Quellen:
„Ein Beitrag zur Heimatgeschichte" von Pfarrer J. Specht, 1887
Gemeindearchiv Grünwettersbach
Archiv der evangelischen Kirchengemeinde
Aufzeichnungen des Heimatforschers Oberlehrer i. R. Hans
Felkl
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