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Entnommen
aus:
Diese Geschichte wurde entnommen
aus dem Festbuch der Freiwilligen Feuerwehr Grünwettersbach "Zum 50jährigen
Jubiläum 18. bis 25. Mai 1974. Geschrieben von Günther Löffler. Mit
freundlicher Genehmigung der
Freiwilligen Feuerwehr Wettersbach.
Im Sommer 1892 in
Grünwettersbach: Der Großherzog und der Ratschreiber
Am 11. Juni des Jahres
1892 hatten die Dörfer auf den Höhen zwischen Pfinz und Alb bei Karlsruhe
ihren großen Tag. Mit der Fertigstellung der neuen Wasserleitung von
Singen her über Mutschelbach und Palmbach nach Grünwettersbach war ein
lange gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen, und es ist verständlich, dass
jedermann sich darüber freute; auch der Landesfürst Großherzog Friedrich
in Karlsruhe teilte die Freude seiner Landeskinder. Dementsprechend hatte
er sein Erscheinen zur feierlichen Übergabe, die in Grünwettersbach
vonstatten ging, angekündigt. Nur einer im Dorfe war von der Visite des
hohen Gastes scheinbar nicht sonderlich erbaut. Es war dies der damals
noch Schultheiß genannte Bürgermeister. Zum Empfang musste ja, eine
würdige Ansprache vorbereitet werden, und da es mit seinem Redetalent
nicht zum besten stand, sah er dem großen Ereignis mit gemischten Gefühlen
entgegen. Doch — wozu hatte er einen Ratschreiber, einen der Rede und
Worte gewandten Mann? Soll der doch für mich in die Bresche springen,
dachte der Schulze, und bald waren sich die beiden über den Rollentausch
einig. Die Stunde rückte näher und näher, und zur festgesetzten Stunde
hielt der Großherzog in seiner prächtigen, von Rössern gezogenen
Staatskarosse seinen Einzug in Grünwettersbach.
Die Dorfprominenz hatte
zum feierlichen Empfang mit schwarzem Gehrock und Diplomatenröhre
Aufstellung genommen. Der Schultheiß stupste seinen Ratschreiber in die
Seite und dieser begriff; es war das verabredete Zeichen. Er lüftete
seinen Zylinder, in dessen inneren Tiefe ein Papierwisch mit der
wohlgesetzten Begrüßungsrede vorsorglich verwahrt lag. In der Art eines
gewandten Redners trug nun der mutige Ratschreiber die fein säuberlich zu
Papier gebrachten Gedanken vor und alles schien wie an einem Schnürchen zu
laufen. Doch nicht allzu lange, und da erwischte es auch schon den armen
Redner. Mag sein, dass ihn die auf ihn gerichteten Augen des erlauchten
Gastes oder ein anderer unangenehmer Umstand irritierten, mag sein, dass
er die geschriebenen Worte im dunklen Hutinnern nicht mehr recht lesen
konnte — kurzum, der Ratschreiber stockte; er verhaspelte sich, wurde
nervös, begann zu stottern und zu guter Letzt verlor er gänzlich den Faden
und es entstand eine beängstigende Pause. — Aber was da! — Selbst in
dieser ausweglos scheinenden Lage war der Redner nicht auf den Mund
gefallen. Blitzschnell kam ihm eine rettende Idee. Er wusste sich zu
helfen: Kurzerhand griff er in seine Zylinderröhre, riss den vermaledeiten
Wisch heraus und streckte ihn dem Landesherrn entgegen und endete seine
missratene Rede mit der wuchtigen Aufforderung: „Da, Herr Großherzog,
leset Euer Red' selwer!" Und siehe da: schmunzelnd nahm Großherzog
Friedrich das Papier wohlwollend entgegen.
Inwieweit Dichtung und
Wahrheit in dieser ergötzlichen Geschichte miteinander übereinstimmen, ist
nicht feststellbar. Jedenfalls aber ist es historische Wahrheit, dass die
neu errichtete Wasserleitung von Singen im Pfinztal her über
Untermutschelbach nach Grünwettersbach am 11. Juni 1892 in Anwesenheit des
badischen Großherzogs Friedrich l. feierlich eröffnet wurde. Es war die
Neuerung in der Wasserversorgung der Gemeinde für diese ein großer
Fortschritt zum Nutzen aller. Allerdings erforderte dieser Vorteil von der
Gemeinde auch große Opfer.
In den Aufzeichnungen
des Gemeindearchives sind sie dargelegt. Da heißt es, dass der
Bürgerausschuss schon am 6. 6. 1888 beschloss, vom Überschuss der
Sparkasse etwa 1800 Mark zur Herstellung der Wasserleitung zu verwenden.
Weiterhin beschloss die Gemeinde am 29. 3. 1893 zur Bestreitung der
Wasserleitungskosten und der Kosten für die Erbauung eines
Lehrerwohnhauses (Hauptstraße 104) durch drei Jahre Holzhiebe im
Gemeindewald vorzunehmen. Am 16. 7. 1894 beschloss die Gemeinde, von der
Sparkasse ein Darlehen von 56962,90 Mark zur Bezahlung der Wasserleitung
aufzunehmen. Die Tilgung der Schulden sollte mit jährlich 2500 Mark
erfolgen. Von der Kreiskasse erhielt die Gemeinde drei Jahre lang (1894,
1895 und 1896) zum gleichen Zwecke einen Zuschuss von jeweils 1778,34 Mark
und außerdem einen Staatszuschuss von 1540,95 Mark. Jedenfalls bildeten
die Kosten der Wasserleitung eine arge Belastung der damals noch kleinen
Gemeinde mit ihren nur 1066 Einwohnern.
(Günther Löffler)
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