Dieser Text wurde uns
freundlicherweise von
Herrn Pfarrer i. R. Bertold Augenstein zur Verfügung gestellt
und am 04.03.2008 veröffentlicht.
100 Jahre
Waldenserkirche Palmbach 1906 - 2006
Vortrag von
Pfarrer i. R. Bertold Augenstein,
1971 - 1982
Pfarrer in Palmbach und Stupferich
(sowie bis 1978
in Untermutschelbach)
gehalten am
Sonntag, 16. Juli 2006 in Palmbach
Verehrte
Festgäste, liebe Palmbacher,
als ich im
vergangenen Jahr von Frau Pfarrerin Dr. Ritter angefragt wurde, ob ich bei
der 100- Jahrfeier der Palmbacher Kirche im Juli 2006 eine Kirchenführung
machen möchte, habe ich zugesagt.
Inzwischen sind
24 Jahre vergangen, dass meine Frau, unsere Tochter Christina und ich
Palmbach verlassen haben. Doch die Verbundenheit mit dem Ort und der
Kirchengemeinde ist geblieben. Wenn ich heute
eine Kirchenführung mit Ihnen mache, ist das eine Angelegenheit, die u. U.
rasch erledigt sein könnte, denn sehr viel zu sehen, gibt es da nicht
gerade. Doch vielleicht
könnten es die Palmbacher selber sein, die heute ihre Kirche ein wenig
anders betrachten. Es gibt ja auch sonst Dinge, an die man sich so gewöhnt
hat, dass es selbstverständlich scheint, dass es sie gibt.
Doch nun zur
Sache:
Wer heute in die
"Täler", die ursprüngliche Heimat der Waldenser und damit auch der
Palmbacher (und Untermutschelbacher) kommt und die dortigen Kirchen der
Waldenser sieht, könnte meinen, dass es sie schon immer gegeben hat.
Das aber ist
nicht der Fall; denn die römisch-katholische Kirche sah in den Waldensern
eine "Sekte", die es mit allen Mitteln zu bekämpfen galt. Daher hat Rom sie
nicht nur verboten, sondern verfolgt, sodass es in den Tälern um Torre
Pellice, westlich Turins, keine Gemeinde gibt, wo nicht Menschen ihres
"biblischen Glaubens" wegen Nachteile hatten.
Als es immer
schlimmer wurde, weil die Nachstellungen an Umfang und Härte zunahmen und
nicht wenige Waldenser das Leben lassen mussten, sahen sich viele gezwungen,
die geliebte Heimat zu verlassen, doch hielten sie am Glauben fest! Das war
auch das Los der waldensischen Vorfahren Palmbachs.
23 Familien waren
es, die 1701 Grünwettersbach zugewiesen wurden und zwischen Grünwettersbach
und Stupferich eine Siedlung / Kolonie gründeten, der sie den Namen ihres
früheren Heimatortes "La Balme", zu deutsch "Zuflucht", gaben. Ihrer Sprache
wegen, sie sprachen französisch, nannte man sie "die Welschen".
Dies trug
wesentlich dazu bei, dass sie längere Zeit unter sich blieben, sich
isolierten, auch was ihr gottesdienstliches Leben betraf. Da sie anfangs nur
das Allernötigste hatten, das, was sie aus ihrer Heimat mitgebracht hatten,
war an den Bau einer Kirche zunächst nicht zu denken.
Dies
änderte sich als Jaques Resplendin 1720 die Pfarrei "La Balme" übernahm.
Dieser
richtete 1724 die vom Dekan in Wildbad und dem Vogt zu Neuenbürg gemeinsam
unterstützte Bitte an den Herzog von Württemberg um Bewilligung eines
Sammelpatentes, durch welches der Waldensergemeinde "La Balme" die Erlaubnis
erteilt wurde, zum Bau einer Kirche in den angrenzenden Ländern Gaben zu
sammeln.
Gleichzeitig hielt der Pfarrer eine Versammlung der Familienhäupter ab, in
der beschlossen wurde, zwei (vom Vogt zu Neuenbürg zu verpflichtende)
Gemeindeglieder zunächst in die Schweiz und dann auch in andere Länder zum
Zwecke einer Kollektenreise zu senden.
Am 14.
Dezember 1724 fuhren dann die beiden Collekteure: Jean Jourdan und Pierre
Bounin, in die Schweiz ab. Nach ihrer Rückkehr, am 12. Februar 1725, legten
sie Rechnung über den Erfolg ihrer Reise ab.
Nach
Abzug der ihnen gewährten Spesen/Unkosten ergab sich ein Betrag von 324
Gulden und 9 Kreuzern. Der Ertrag ihrer zweiten Reise - diesmal nach Holland
- wurde leider nicht festgehalten, so dass man nichts darüber weiß.
Nachdem
der Kostenvoranschlag des Busenbacher Zimmermanns (ohne Namennennung) in
Höhe von 324 Gulden und 20 Kreuzern durch den herzoglichen Kirchenrat
genehmigt war - eine ganze Reihe von Leistungen wurden durch die
Gemeindeglieder von La Balme freiwillig und ohne Löhnung erbracht -, begann
man mit dem Bau der ersten Palmbacher Kirche, ganz in der Nähe der jetzigen
Kirche. (Die Vergabe der Bauarbeiten erfolgte im Akkord).
|


Zeichnung: Günther Löffler |
Der
Grundstein der Kirche wurde am 11. Juli 1725 gelegt, die Einweihung geschah
am 25. November desselben Jahres.
Welche
Festlichkeiten mit der damaligen Grundsteinlegung und der nachfolgenden
Einweihung verbunden waren, ließ sich leider nicht ermitteln. Doch darf
angenommen werden, dass der Bau der Kirche und ihren Indienstnahme ein
herausragendes Ereignis war, das die Waldensergemeinde La Balme und die
anderen Schwestergemeinden mit Dank und großer Freude erfüllte.
Noch
heute erinnern zwei Holztafeln an dieses wunderbare Ereignis.
(Sie
können sich nachher die beiden Tafeln, links und rechts hinter dem Altar an
der Wand des Chores in Ruhe betrachten!)
Ich
zitiere den Text der ersten Tafel (französisch) ins Deutsche übersetzt:
"Die
Kirche ist erbaut worden durch den Beistand Gottes und unter der Huld Seiner
Hoheit, dem gnädigen Herzog von Württemberg, der Niederlande und der
Schweizerkantone, unter Verwaltung des Herrn E. Friedrich Binder, Amtmann
von Neuenbürg ..."
"Am 11.
Juli 1725 ist die Weihe der Fundamente vollzogen worden, am 25.
November 1725 ist die Weihe des "Tempels" (waldensische Benennung einer
Kirche) geschehen.
(Danach
folgen die Namen von Pfarrer Theodoric Aubert von Avenche in der Schweiz;
Jean Jordan, Schultheiß, Ältester und Collekteur usw. wie auf der Tafel zu
lesen.)
Auf der
zweiten Holztafel stehen die "Zehn Gebote", ebenfalls in französischer
Sprache.
(Die Gemeinde sollte sie vor Augen haben, weil sie für den Glauben und das
Zusammenleben von unaufgebbarer Bedeutung sind!)
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Nach
reformierter Tradition gab es ursprünglich in der Waldenserkirche keine
Bilder, ebenso kein Kruzifix auf dem Altar / Tisch... (Das
bunte Glasfenster über der Männerempore zeigt Waldenser bei der
"glorreichen Rückkehr" eines Teils von ihnen in Sibaud).
Das
Fenster an der Chorwand zeigt die Gethsemane-Szene. Dieses Fenster gab es
nicht von Anfang an in der Palmbacher Kirche, sondern entstand erst in
Verbindung mit dem Bombenschaden vom 04. Dezember 1944).
Auf dem
Dach der Kirche befand sich ein Dachreitertürmchen mit einem Glöcklein, das
zu den Gottesdiensten läutete und als Betglocke diente. Eine Orgel gab es
nicht, doch sang die Gemeinde auch ohne Orgel von Herzen zum Lobe Gottes
und zur eigenen Erbauung (anfangs waldensische Lieder und später die der
evangelischen Kirche).
Lassen
Sie mich hier ein kleines Erlebnis einflechten, das ich in den 70er-Jahren
in Palmbach hatte:
Ein Mann
meldete sich eines Tages im Pfarrhaus, der aus dem nordhessischen
Waldenserort Todenhausen kam. Während
unseres Gesprächs erzählte er mir u.a., wie in seiner Heimat Waldenser
Uneingeweihten gegenüber beschrieben werden.
Man
sage:
" Die
Waldenser sind Leute, die einen scharfen Blick haben und so laut singen.“
Dazu möchte ich nur soviel sagen, dass ich mich immer gefreut habe, wenn in
den Gottesdiensten kräftig gesungen wurde.
Viele
Jahre wurde der Gottesdienst in französischer Sprach gehalten.
Als um
die Wende zum 19. Jahrhundert die deutsche Sprache in Schule und Kirche
verbindlich wurde, wehrte sich ein Teil der Palmbacher, vor allem ältere und
traditionsbewusste Waldenser mit allen Kräften gegen eine solche Zumutung.
Entsprechend die Äußerung eines Kirchenältesten von Wurmberg - Bärental (Lucerne),
der davor warnte mit den Worten: "Wie schrecklich, wenn der HERR am Jüngsten
Tag zur Auferstehung ruft mit den Worten: `Levez vous´ und unsere Kinder
verstehen ihn nicht mehr!"
Das
Aufgeben der französischen Sprache wurde von nicht wenigen als Verrat an der
Waldensersache verstanden.
Um
dieselbe Zeit wurden "La Balme" und eine Reihe anderer Waldenserorte, die
württembergisch waren, badisch (1806). Damit verbunden verlangte die
badische Regierung die Einführung der deutschen Sprache in Schule und
Kirche.
(Dies
erlaubt Vergleiche mit der heutigen Situation von Migranten, die
verpflichtet werden, die deutsche Sprache zu erlernen!)
Anlass
dazu gaben die Schul- und Kircheninspektionen.
Diese
stellten fest:
Die
Kinder werden mit dem französischen Lesen geplagt, wovon sie kaum ein Wort
verstehen. Selbst ihr Lesen ist erbärmlich genug. Indessen aber lesen sie
erträglich deutsch!
Das 1725
erbaute Kirchlein mit seinem Türmchen machte immer mehr Reparaturen nötig.
Bereits
1808, "La Balme" war gerade badisch geworden, befand es sich in einem
dermaßen traurigen Zustand, dass sein Einsturz befürchtet werden musste.
Um ein
Unglück zu verhüten, beschloss der damalige Kirchengemeinderat das Läuten
einzustellen. Schließlich wurde das alte Türmchen durch ein neues ersetzt.
Als das
Glöcklein 1832 einen Sprung bekam, beschloss die Gemeinde auf ihre Kosten
das bisherige Glöcklein umgießen zu lassen und eine zweite Glocke
anzuschaffen. Ebenso wurde eine neue Uhr angeschafft.
Zur
Anschaffung einer Orgel kam es 1821 durch folgenden Umstand: Die Orgel der
Grötzinger Kirche war abgängig geworden, und der Durlacher Orgelbauer Voigt
erbot sich, die Grötzinger Orgel um den Preis von 150 Gulden nach Palmbach
zu überführen und dort aufzustellen. Damit verbunden war die Errichtung
einer Empore.
In der
Folge war alle zehn Jahre eine größere Reparatur an der Orgel erforderlich.
1892
wurde in der Kirche eine Heizung eingebaut, doch alle Aufwendungen, die zur
Verbesserung und Verschönerung des Innern der Kirche eingesetzt wurden,
änderten nicht das unansehnliche Äußere der Kirche, von der es in der
"Geschichte der badischen Landeskirche" von Vierordt hieß: "Die Palmbacher
Kirche sei eine der unschönsten Kirchen im ganzen Land."
Daher
war bereits 1883 der Gedanke gefasst worden, anstelle des jetzigen
Kirchleins einen Neubau ins Auge zu fassen.
Daraufhin wurde der Grund zu einem Kirchenbaufonds gelegt, der um die
Jahrhundertwende einen Stand von 14.782, 00 Mark erreicht hatte. Da die
Gemeinde aber finanziell noch zu sehr belastet war, konnte der Kirche noch
nicht in Angriff genommen werden.

Die 200-
Jahrfeier der Gründung des Dorfes 1901 wurde zu einem großen und stolzen
Ereignis, bei welchem auch der Großherzog und seine Gemahlin anwesend waren
und viele Gäste aus anderen Waldenserorten.
Dem
damaligen Bürgermeister Johann Wilhelm Kräutler wurde der Entwurf eines
Gemeindewappens für Palmbach überreicht, ebenso die Pläne für den Bau eines
neuen Rat- und Schulhauses für die stetig wachsende Einwohnerschaft des
Dorfes.
Auch für
den Bau einer neuen Kirche versprach das großherzogliche Paar Pfarrer Gustav
Meerwein seine persönliche und großzügige Förderung und Unterstützung. Zum
Bau der neuen Kirche kam es dann im Jahre 1906, vor (demnächst) 100 Jahren.
Unzählige Bittgänge und der unermüdliche Sammeleifer von Pfarrer Meerwein,
der den Collekteuren von 1724/25 in nichts nachstand, schufen erst die
finanzielle Grundlage zum Bau der schmucken neugotischen Kirche, die in
wegen Wochen 100 Jahre alt wird.
Von
Pfarrer Meerwein erzählte man sich folgende Anekdote:
"Wieder
einmal war er auf der Rückkehr von einer Behörde zu seinem Landesfürsten
gegangen und hatte dort um eine Audienz gebeten.
Da er
nicht gleich vorgelassen wurde, ging er im Schlosspark spazieren.
Nach
einer Weile sah der Fürst zufällig zum Fenster hinaus und fragte seinen
Diener, wer der Mann dort im Park sei.
"Majestät", sagte der Diener, "das ist der Bettler von Palmbach."
"Mein
Gott", sagte der Fürst:
"Lasst
ihn heraufkommen, den bringen wir sonst überhaupt nicht mehr los."
|
Grundsteinlegung der evangelischen Kirche zu Palmbach
- den 22. April 1906
Urkunde:
|
"Am 22.
April 1906, in dem Jahr, in welchem unser geliebter Landesfürst, Großherzog
Friedrich von Baden, sein achtzigstes Lebensjahr vollendet und seine Goldene
Hochzeitsfeier begeht, im 54. Jahr seiner reichgesegneten Regierung, im 18.
Regierungsjahr Kaiser Wilhelms II. legen wir den Grundstein zu unserer neuen
Kirche.
Die
bisherige Kirche war im Jahre 1725 erbaut worden, nachdem der Ort Palmbach-
damals "La Balme" - im Jahre 1701 von 28 Waldenserfamilien gegründet worden
war, die um ihres Glaubens wegen aus ihrer Heimat Piemont vertrieben worden
waren.
Die
bisherige Kirche war so baufällig geworden, dass der Bau der neuen Kirche
notwendig wurde.
(Durch
Gaben der Liebe von nah und fern, unter denen besonders Festgaben zur
Jubelfeier des 200-jährigen Bestehens der Gemeinde seitens Ihrer
königlichen Hoheit des Großherzogs und der Großherzogin, Seiner
königlichen Hoheit des Erbgroßherzogs, Seiner Großherzoglichen Hoheit des
Prinzen Karl, sowie auch von Herrn Schlosshauptmann von Offensandt-Berkholz
zu nennen sind, durch die Fürsorge der evangelischen Oberkirchenbehörde,
die uns Landeskollekte, Zuschüsse aus der Baukollekte und aus allgemeinen
Kirchenmitteln gewährte, durch Kirchenkollekten in der Diözese Durlach und
anderen Nachbargemeinden, und durch die Opferwilligkeit der Gemeinde
Palmbach selbst, hat unser Kirchenbaufonds eine Höhe von 45.000.- Mark
erreicht")
(Dieser Textabschnitt kam im Vortrag nur pauschal vor.)
Der Bau
der Kirche selbst ist auf 53.500,00 Mark veranschlagt, wird aber eine
Bausumme von 56.000,00 Mark erfordern mit Einschluss von Inbau, Orgel,
Glocken und Beleuchtung.
Die
fehlende Summe wird vom evangelischen "Pfarrhausbaufonds" dargeliehen
werden.
(Die
Pläne zur neuen Kirche sind das Werk von Baurat Rudolf Burkhard in der
evangelischen Kirchenbau-Inspektion Karlsruhe, deren Architekt Theodor
Gasnbs die Bauleitung obliegt.
Maurerpolier ist Wilhelm Christoph Krieger von Grötzingen; Bauunternehmer
Philipp Krieger leistet mit Maurermeister Johann Wilhelm Ludwig von hier die
Maurerarbeiten, Steinbruchbesitzer Wilhelm Jakob Raviol von hier fertigt die
Steinmetzarbeiten; die Zimmererarbeiten sind Zimmermeister Wilhelm Roll von
hier übergeben.)
(Dieser
Textabschnitt wurde im Vortrag gerafft ausgeführt.)
- Die
Gemeinde Palmbach zählt z. Zt. 391 Einwohner, darunter 190 männliche (6
Katholiken).
- Grund-
und Häusersteuerkapitalien: 383.820,00 Mark.
-
Bürgermeister ist Johann Wilhelm Kräutler,
-
Ratschreiber Wilhelm Johann Löffler.
Im Jahre
1902 wurde ein neues Rathaus (mit Schule) errichtet. Da die alte Kirche
abgebrochen wird, muss der Gottesdienst im Rathaussaal gehalten werden bis
zum Herbst, wo, wie wir hoffen, die neue Kirche vollendet sein wird.
Es würde
dann die Einweihung der Kirche zugleich die Feier der hundertjährigen
Zugehörigkeit zum Großherzogtum Baden bilden.
In den
Grundstein werden mit dieser Urkunde eingelegt:
-
eine Handschrift Seiner königlichen Hoheit des Großherzogs
Friedrich
von Baden, gegeben am 1. Juni 1901 im Pfarrhaus dahier, wo
Höchstderselbe
mit hoher Gemahlin, Ihrer königlichen Hoheit, der Großherzogin
Luise , der Gemeinde Palmbach zum Bau der neuen Kirche 1.000,00 Mark
zu bewilligen geruhten;
-
ein Erlass des Evangelischen Oberkirchenrats, worin er der Evangelischen
Kirchengemeinde Palmbach zum Bau der neuen Kirche aus
allgemeinen
Kirchenmitteln 10.000,00 Mark bewilligte;
-
ein Fünfmarkstück mit Bildnis Kaiser Wilhelms
II., ein Zweimarkstück
mit Bildnis von Großherzog Friedrich von Baden;
-
die Festschrift zur Feier des 200- jährigen Bestehens der Gemeinde
"Zion halte deine Treu!"
-
"Freudenernte" Festbericht der obigen Jubelfeier
-
verschiedene Zeitungen
Möge
Gottes Auge über dem Bau des neuen Kirchleins schützend und über den Bestand
desselben segnend wachen; möge der Herr unserer Kirche dazu helfen, dass die
evangelische Gemeinde Palmbach allezeit festhalte an dem evangelischen
Glauben, für den die Vorfahren Gut und Blut geopfert haben, und dass im
Kirchlein selbst die Predigt des Evangeliums immerdar nach dem Apostelwort
verkündigt werde:
"Einen
andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus
Christus!"
A m e n.
Palmbach
den 22. April 1005
Die
geladenen Zeugen:
Der evang. Kirchengemeinderat:
D. Joh.
Reinmuth, Oberkirchenrat Gustav Meerwein, Pfarrer
Georg
Meyer, Dekan in Durlach Johann Ludwig Piston
Friedr.
Schweickert Pfr. in Graben Johann Peter Jourdan
Baron
Julius von Gemmingen Heinrich Kräutler
Wilel.
Meerwein, Stadtrat, Marbach Johann Ludwig Jourdan
Johann Wilhelm Kräutler,
Bürgermeister
Wilhelm
Johann
Löffler, Ratschreiber
Karl
Ludwig Gemeinderat
Christoph Bertsch, Gemeinderat
Ludwig
Piston, Gemeinderat
Johann David Löffler, Gemeinderat
Wilhelm
Löffler, Gemeinderat
Leopold
Mußgnug, Gemeinderat
Heinrich
Obländer, Hauptlehrer
(Die
Nennung der Namen wurde im Vortrag weggelassen.)
|
| |
|
Die
Einweihung der
neuen Kirche in Palmbach
Sonntag, 28. Oktober 1906 |
Vormittags 11.00 Uhr: Festzug vom Rathaus zur Kirche
1.
Gesang
der Gemeinde vor der Kirche:
"Tut mir auf die schöne Pforte …" (1+2)
2.
Gesang
der Gemeinde in der Kirche:
"Lobe
den Herren, den mächtigen
König
(1+2)
3.
Eingangsgebet: Dekan Meyer, Durlach
4.
Gesangverein Harmonie in Palmbach
"Wo Gott der Herr das Haus gebaut..."
5.
Weiherede: Dekan Meyer, Durlach
6.
Weihegebet: Dekan Meyer, Durlach
7.
Gemeindegesang mit Orgelbegleitung und Geläute der neuen Glocken
"Nun danket alle Gott ..." (1-3)
8.
Festpredigt des Ortsgeistlichen, Pfarrer Gustav Meerwein
9.
Gesang
des evangelischen Kirchenchors Palmbach
"Jauchzet Gott alle Lande, lobsinget zu Ehren seinem Namen!"
10.
Ansprache des Vertreters des Evang. Oberkirchenrats: Prälat
D. Oehler
11.
Gemeindegesang:
"Sei
getreu bis an das Ende, dass
nicht Marter, Angst und Not..."
12.
Begrüßungen
von Vertretungen auswärtiger
Waldensergemeinden
13.
Schlussgebet
14.
Gemeindegesang:
"Wir
wollen stets bei dir allein, Herr Jesus Christ verbleiben ..."
15.
Segen
Festessen im Rathaussaal (Gedeck zu 2 Mark 50 Pfennig ohne Wein)
(die
Ordnung des Gottesdienstes zur Einweihung der Kirche wurde in meinem Vortrag
nicht verlesen!)
Nachfeier am Sonntag, 28. Oktober 1906, 4 Uhr
-
Gemeindegesang:
"Einer ist 's an dem wir hangen, der für
uns in den Tod gegangen..."
-
Eingangsgebet und Ansprache
-
Gesang
der Schüler
"Nun ist zu Gottes Ehre erbaut dies Heiligtum.
Dem Herrn der
Himmelsheere
sei dafür
Dank und Ruhm ..." (1-5)
-
Vortrag über
die Geschichte der Waldenser:
Pfarrer Märkt, Hessigheim / Wttbg.
-
Gemeindegesang:
"Fahre
fort, fahre fort! Zion fahre fort im Licht!
-
Vortrag von Pfarrer Calvino in
Lugano, Vertreter der Waldenserkirche
-
Gesang des evangelischen Kirchenchors Palmbach
"Vater,
du im Himmelsraume höre deiner Kinder Flehn ..." ( 1-3)
-
Schlussansprache
und Gebet.
-
Gemeindegesang:
"Wie
freu ich mich, Herr Jesu Christ, dass
du der Erst und Letzte bist ..."
-
Verkündigung
der Festgaben, welche der neuen Kirche zugewendet wurden
-
Segen
Beim
Ausgang aus der Kirche wird eine Kollekte erhoben zum Besten der neuen
Kirche; ein Teil wird den Glaubensgenossen in Italien und Österreich
zufließen.
Der
Ablauf der Nachfeier wurde im Vortrag nur auszugsweise einbezogen.
|
Die zwei
Weltkriege 1914 - 1918 und 1939 - 1945 haben auch in unseren Gemeinden
schwere Opfer gefordert.
Davon
sprechen die Einträge in den Kirchenbüchern eine ernste Sprache.
Besonders der 2. Weltkrieg hatte schwere Folgen für die Pfarrgemeinde. So
zerstörte ein Bombentreffer den Chor der Kirche. Das geschah am 4. Dezember
1944. Als der Chor in Trümmer fiel, fand auch unser verdienter
Kirchenrechner, Gottlieb Reister, durch einen Bombeneinschlag den Tod.
Damals
schrieb Pfarrer Hermann Zwecker:
Noch
stehen wir diesen traurigen Erlebnissen aus dem 2. Weltkrieg zu nahe, um
ausführlich darauf einzugehen, aber es ist eine Ehrenpflicht, derer zu
gedenken, die im Kampf um die Heimat ihr Leben ließen:
33
Palmbacher Soldaten sind gefallen, 9 werden vermisst. In den Kämpfen im
Palmbach am 07.04.1945 fanden 9 Soldaten den Tod. Sie ruhen auf dem
Palmbacher Friedhof.
Gott
gebe, dass den Nachkommen unserer Dörfer friedlichere Zeiten beschieden
sind!
Doch
Pfarrer Zwecker durfte auch anderes berichten:
In
Palmbach wurde am 1. Advent 1949 die wiederhergestellte Kirche eingeweiht
und am 22. Oktober 1950 in einem feierlichen Gottesdienst die neuen Glocken
ihrer Bestimmung übergeben.
Die
Wiederherstellung der Kirche und die Anschaffung der (neuen) Glocken wurden
der Gemeinde durch die tatkräftige Hilfe eines gebürtigen Palmbachers und
Waldensernachkomme, Walter Tron (aus Haßfurt am Main) erleichtert.
Glaube,
Hoffnung, Liebe und Treue sollen unsere Glocken ins Land rufen.
Waldenser und Nichtwaldenser werden unter ihren Klängen getauft,
konfirmiert, getraut, begraben und zu Gottes Haus geladen.
Hören
wir doch ihren Ruf und die Mahnung ihrer Inschriften:
"Bleibet fest in der Liebe", ruft die
Tagesglocke;
"Lux lucet in Tenebris" - das Licht
leuchtet in der Finsternis - tröstet die Betglocke;
und die
Glocke der Väter mahnt uns alle mit dem Wort des Josua Janavel:
"Nichts sei starker als euer Glaube!"
Der
Wetterhahn der Palmbacher Kirche - sein Ende und sein Wiedererstehen –
(Foto: Familie Hess)
Es war
in einer Oktobernacht des Jahres 1981, dass ein heftiger Herbststurm die
Eisenstange knickte, an welcher der Wetterhahn auf der Palmbacher
Kirchturmspitze befestigt war.
Damals
fiel uns auf, wie Passanten auf der Henri- Arnaud- Strasse in die Höhe
schauten.
Als ich
fragte, was es zu sehen gäbe, machten mich die Leute auf den Wetterhahn
aufmerksam, der kopfüber in die Tiefe sah.
Sogleich
machte ich mich mit der Ortsverwaltung in Grünwettersbach in Verbindung, die
veranlasste, dass die Henri- Arnaud- Strasse im Bereich der Kirche für den
Durchgang und die Durchfahrt gesperrt wurde. Nicht auszudenken, was hätte
geschehen können, wenn der kaputte Wetterhahn bei einem Windstoss
herabgestürzt wäre und jemanden getroffen hätte.
Inzwischen war auch die Karlsruher Feuerwehr verständigt worden, die mit
einer großen Drehleiter anrückte.
Leider
war diese zu kurz, sodass die Karlsruher Wehr nichts ausrichten konnte. Die
Feuerwehrleute sagten uns aber, dass die Ettlinger Wehr über eine längere
Leiter verfüge.
Die
Ettlinger Wehr ließ ebenfalls nicht lange auf sich warten und rückte an, und
hätte den verunglückten Wetterhahn im Nun geborgen, wenn der Wind nicht
gewesen wäre.
So
mussten sie unverrichteter Dinge wieder zurückfahren, versprachen aber bei
günstigerem Wetter sofort wieder zu kommen.
Als nach
wenigen Tagen Windstille eintrat, war der Wetterhahn im Handumdrehen
geborgen! Herzlichen Dank an die Ettlinger Wehr!
In die
nun folgende wetterhahnlose Zeit fiel nun gerade auch unser Weggang aus
Palmbach in die neue Gemeinde Kürnbach, Kirchenbezirk Bretten.
"Was
macht eigentlich unser Wetterhahn?"
Diese
Frage war berechtigt, denn die gocklerlose Zeit dauerte nun schon 1 1/2
Jahre.
Unangetastet lagen seine Reste in einer Werkstatt.
Zunächst
war die Reparatur versprochen worden, dann aber wieder abgesagt.
Eines
Tages sagte meine Frau zu mir (so unser einstiges Gemeindeglied Dipl. Ing.
Fritz Heß): "Du bist doch Ingenieur usw. ... Und schon hatte ich meine
Aufgabe für die nächste Zeit ..."
Zu den
Einzelheiten nur dies: Es sind viel mehr Überlegungen und Vorbereitungen
nötig als man vorher denkt.
So
musste z.B. die Turmspitze genau vermessen werden, damit das neue
Mittelteil darüber geschoben werden kann - und auch passt.
Fritz
Heß, Dipl.- Maschinenbau- Ingenieur, übernahm die Aufgabe, einen neuen Hahn,
in der Form originalgetreu, nach den alten aufgefundenen Zeichnungen
anzufertigen.
Nach
einjähriger Arbeit, mit Unterbrechungen, war das Werk bis auf das schwierige
Aufsetzen auf die Turmspitze im Frühjahr 1984 vollendet.
Aus
Gründen des Denkmalschutzes mussten die alten Umrisse kopiert werden.
Mit
nochmaliger Hilfe der Ettlinger Wehr wurde schließlich der aus Edelstahl
gefertigte Wetterhahn, der in einem Pforzheimer Werk mit einer Goldauflage
überzogen worden war, durch Dipl.-Ing. Fritz Heß auf der vorbereiteten
Turmspitze installiert.
Aus
sicherer Entfernung wurde dieses nichtalltägliche Schauspiel von vielen
Zuschauern verfolgt, und nicht nur Fritz Heß und dessen untenstehende,
ängstlich nach oben blickende Frau, Hertha Heß, waren froh, als die
schützende Hülle um den Wetterhahn abgenommen werden konnte, und der neue
Hahn in der fahlen Sonne dieses Herbsttages hell erglänzte. Dies alles
bedenkend sei unserem einstigen Gemeindeglied Fritz Heß für all sein Tun
nochmals herzlich gedankt. Ich bin ebenso dankbar, ihn gekannt zu haben.
Sie, liebe Frau Heß, werden, so oft Sie zur Kirchturmspitze aufschauen, an
Ihren lieben Mann erinnert werden.
Wie ich
erfahren habe, existiert der alte Wetterhahn noch und befindet sich im
verdienten Altenteil.
Während
meiner Zeit in Kürnbach kam es Ende der 70er-Jahre zu dringlichen Arbeiten
an der Kirche besonders des Turmes: Nachziehen ausgewaschener Mauerfugen,
Auswechseln schadhafter Sandsteinprofile, Überarbeitung der
Schiefereindeckung des Turms etc.
Auch
Pfarrer Hans-Jürgen Herrmann hatte mit Restaurierungsarbeiten der Kirche zu
tun, die recht gründlich durchgeführt wurden. Ferner kam es zum Bau des
Gemeindehauses mit Übergang zur Kirche/Sakristei, womit ein langer Notstand
endete.
Die
Baulichkeiten der Waldenserpfarrei Palmbach-Stupferich, wozu auch das das
Gemeindezentrum in Stupferich gehört, zeigen sich im Jubiläumsjahr der
Palmbacher Waldenserkirche in einem erfreulichen Zustand, wofür die
Gemeinde danken kann.
Gott
möge Segen durch sie wirken und die Gemeinde zu weiterem treuen Gebrauch
anregen; Gott zu Lob und Preis!
Ich
danke Ihnen für Ihr langes Ausharren und Zuhören!
Pfarrer i. R. Bertold
Augenstein
Weitere Seiten zu diesem
Jubiläum
Bilder vom Kirchenjubiläum am 16.07.2006
Festprogramm 2006
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